Hund verschwunden

Freya war ziemlich böse weg, fast 3.5 Stunden.... Was ist passiert?

Zuächst: Wie man einen Hund suchen sollte, der im dichten Wald "abgehauen" ist: Warten (bis zu 1. Stunde), falls zu lang, Decke, Rucksack, Kleidungsstück hinlegen, Auto auf dem Parkplatz öffnen und warten. Ja, einfach warten.... Hätt ich das so gemacht, ich hätte meinen Hund innert 30 min wieder gehabt. Das wichtigste: trust your dog. Dem Hund vertrauen, dass er wieder kommt. Es sind Jagdhunde, die kommen wieder. 

Freya und ich sind gerade dabei einen guten Weg in Richtung "freilaufen ohne Leine" zu finden und ich war jeden Tag positiv und positivster überrascht, wieviel dieser Hund begriffen hat und wie eng ihre Bidung ist. Aber wieso passiert dann so ein Mist?

Ganz einfach....

Wie man einen Hund NICHT suchen sollte:

Entferne dich kopflos nach 10 Minuten von dem Platz, wo der Hund verloren ging, gehe dabei auf keinen Fall auf dem eigentlich bekannten Pfad, sondern denk dir: Mistkröte, jetzt verarsch ich dich erst recht und geh ganz woanders lang. Tu das möglichst in einem Waldstück, wo es viele verschlungene, kleine Wege gibt, die sehr unübersichtlich sind. Vertraue deinem Hund auf gar keinen Fall, dass er clever genug ist, dich zu finden, gib ihm auch möglichst keine Zeit dazu. 

 

Wenn dir die Zeit dann doch zu lang vorkommt, geh auf irgendeinem Weg, der nicht der ist, wo ihr euch verloren habt, auf und ab und ruf dort ein bisschen. Pfeife auch. 

 

Unterdessen wird der Hund bereits krampfhaft nach dir suchen:"Öööh, also ich hab ihren Hund vor 10 Minuten da hinten auf dem Weg gesehen, er kam schnell, ist dann aber wieder weg." Sind Aussagen, die du ernst nehmen solltest. Kein Hund, der ein Reh hetzt, läuft auf dem Weg. Aber nein, anstatt dein Auto zu öffnen und wenigstens am Parkplatz zu warten, lauf hin und fahr weg. Zum nächsten Bauernhof, um den Bauern um Rat und Hilfe und bitten. Lass dein Auto dort stehen und fahr mit dem Traktor weiter. Am besten ans andere Ende des Reviers, wo unterdessen der Jagdpächter, den du pflichtbewusst informiert hast, mit einem Gator auf dich wartet. Steige vom Traktor in den Gator. Dieser Spurwechsel wird deinen Hund in spätestens 15 Minuten sehr verwirren. Denn dann taucht er dort auf, es sind natürlich alle Spaziergänger informiert, die Info kommt per Telefon. 

 

Natürlich wirst du deinen Hund so nicht finden, aber das Gefühl durch ein 1000ha Revier zu fahren ist 1. cool und 2. tut man aktiv etwas, um den Hund zu finden (nein, nicht wirklich, aber egal. Aktionismus ist prima!). Unterdessen hat der supernette( nein, völlig ohne Ironie, der war echt genial!) Jäger seine Jagdkollegen verständigt. Gib diesen vorsorglich den Rat genau so zu pfeifen, wie du es tust, um deinen Hund mit 4x dem gleichen Pfeifton im Revier weiter zu verwirren, nur so gewinnst du das Versteckspiel. Unterdessen haben wir gemeinsam das ganze, wunderschöne Revier angeschaut, ein bisschen über Hunde gequatscht und gemeinsam befunden: Mehr können wir nicht tun, wir sind alles abgefahren. Der Hund wurde unterdessen aber immer mal wieder gesichtet, nur wir haben ihn NICHT gesehen (Komisch, aber so funktioniert verstecken, wenn du nicht willst, dass dich jemand findet, such ihn...). Ein guter Tipp ist auch: Lass möglichst Fremde deinen Hund suchen, ruf bloss niemanden an, den der Hund kennen könnte, sonst endet das Spiel zu schnell und der Hund wähnt sich in Sicherheit.

 

Nachdem wir befunden hatten, dass es so einfach nicht werden würde und das arme Hundchen wohl draussen übernachten müsste, beschloss ich kurz heimzufahren, um zu schauen, ob sie dort wauf mich wartete, dabei hatte ich so viele, tolle Spuren im Revier hinterlassen, dass sie eigentlich beschäftigt war. 

 

Aber es wurmte mich dennoch, Freyas Art war es eben gar nicht einfach so zu verschwinden, sie hatte mich auf jedem Spaziergang mit noch so viel Wild immer wieder gesucht und probiert den Kontakt mit mir aufrecht zu erhalten, nach vier Monaten ist ihre Führerbindung schon sehr stark. Also bin ich wieder hoch, auf den Parkplatz, wo wir den Spaziergang gestartet hatten. Dort fand ich, völlig erledigt auf "meinem" Parkplatz liegend, meinen Hund vor. Sie sprang mit eingezogener Rute, zitternd, durchnässt, dreckig und voller Kletten in mein Auto und rollte sich auf der Rückbank zusammen. 

 

Ich muss sagen: Ich habe noch NIE so kopflos gehandelt, es ärgert mich, dass ich mich nicht an die elementarsten Regeln gehalten habe. Allerdings: Ich war besorgt, wäre eine Untertreibung meines Gemütszustandes gewesen. Ich war ausser mir, in der Nähe zwei gefährliche Strassen, der Wald unübersichtlich dicht und daneben grosse Maisfelder mit sicherlich einigen Wildschweinen darin. Ich hatte alle Horrorszenarien im Kopf, die man sich ausmalen kann. Auf dem Memo an mich steht: 1) das nächste Mal: bleib ruhig 2) übe mit Freya IMMER an deinem Rucksack Platz zu machen und zu warten, bis ich komme 3) sei froh, dass dein Hund clever ist und 4) TRUST YOUR DOG! hätte ich ihr vertraut, dass sie mich findet, wenn ich dort bleibe, wo wir uns verloren haben, dann wäre das ganze in 10-20 Minuten gegessen gewesen. 

 

So haben wir einen Abend lang ein sehr gefährliches Versteckspiel gespielt. 

 

Freya ist immer noch völlig von der Rolle und lässt mich keine Sekunde aus den Augen, nicht einmal Katzen auf der Strasse werden grossartig beachtet. Armes Mädel. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0