Wie ich Jäger wurde

Ich dachte mir, dass es Sinn machen würde, mit der Erzählung zu beginnen wie ich überhaupt zur Jagd kam und Jäger wurde...

 

Anders als bei den meisten Personen, die Jäger wurden, hatte ich weder in der Familie noch bei Freunden und Bekannten irgendwelche jagdlichen Berührungspunkte.
Ich war damals sehr gerne in Wald und Flur unterwegs, sei es auf dem Pferd oder mit meiner damaligen Partnerin und ihrem Hund. Unsere Ferien verbrachten wir meist wandernd in gebirgigen Gebieten oder hoch zu Ross.
Irgendwann kam dann einfach einmal ein Punkt, an dem ich mehr über die Natur und unsere Umwelt wissen und kennen lernen wollte. Im Internet suchte ich nach möglichen Ausbildungen und Schulungen und stiess dabei auf die jagdliche Ausbildung. Natürlich war die Ausbildung zum Landwirt auch ein Thema. Aber damals erschien mir die jagdliche Schulung einfacher und kürzer sowie irgendwie spannender...
 
Ich muss hier aber betonen, dass ich damals nicht vor hatte Jäger, oder in irgend einer Art und Weise jagdlich aktiv zu werden. Die Vorstellung ein Tier zu erlegen, erschien mir schier unmöglich!

 

Nun denn, gemäss den erhaltenen Informationen musste ich zunächst mal ein Hegerevier um Aufnahme als Jungjäger bitten. Da lag es nahe, die Jagdgesellschaft am Wohnort anzufragen. Weil ich keinen Jäger kannte, fragte ich zuerst die Gemeindeverwaltung an, welche mich an den Jagdaufseher verwies. Dieser gab mir dann die Kontaktdaten des Präsidenten der Jagdgesellschaft an, welcher mich nach einem Telefongespräch um ein Schreiben mit Aufnahmegesuch bat. Da er meinte, dass die Aufnahme kein Problem sein sollte, meldete ich mich also Ende des Jahres 2005 für die Jagdprüfung im Frühling 2007 an!! Dies ohne zu wissen, was mich alles erwarten sollte...

 

Zu meinem Glück war in diesem Revier bereits ein Jungjäger in den zarten End-50igern in der "Ausbildung". Dieser Empfahl mir die Jagdschule in Egerkingen und organisierte, dass ich die restlichen Unterrichtsstunden bis zu deren Prüfung gratis mit ihm mitmachen durfte. Darüber war ich wirklich sehr froh, hatte ich doch von der Jagdmaterie nicht die geringste Ahnung!

 

Kurz nach der Anmeldung erhielt ich vom Kanton das  Jagdlehrgangsheftchen und war doch ziemlich überrascht was hier noch alles verlangt wurde... Ganze 50 Hegestunden, diverse Exkursionen im Wald und Tierparks, der verpflichtende Besuch des Jagdhundetages Nordwestschweiz, diverse Besuche des Schweisshunde-Trainings und die zwingend vorgeschriebene Teilnahme an Bewegungsjagden. Wieder war ich froh, den anderen Jungjäger um Rat bitten zu können! Dieser riet mir betreffend der Hegestunden unbedingt im Internet bei den verschiedenen Naturschutzorganisationen nachzuschauen. Er hätte dort einige Stunden für zum Beispiel das Aufhängen von Vogelnestern, das Zurückschneiden von Hecken, für Zählungen bei Vogelbeobachtungen oder auch Exkursionen ableisten können. Und ich sollte unbedingt auch die Nachbarreviere betreffend Wildschadenbehebung und Wildzählung anfragen, denn spieziell bei der Wildschadenbehebung sei jeder froh um Mithilfe!
Trotz dieser Tipps war es wirklich nicht einfach die geforderten Hegestunden abzuleisten. Da aber mittlerweile die geforderte Zahl der Hegestunden im Kanton Solothurn auf 25 reduziert wurde, gestaltet sich die Erreichung der Sollzahl wohl einfacher.

 

Eine besondere Herausforderung für mich war auch der neue Umgang mit den Jagdgewehren und das Schiessen im Allgemeinen, da ich den Militärdienst nicht geleistet hatte. Ich hatte wahnsinnigen Respekt vor dem jagdlichen Schiessen und mietete mir vorerst, weil ich ja nicht vor hatte Jäger zu werden, einen Repetierer und eine Flinte bei einem Büchsenmacher. Mit dem angebotenen Schiesstraining für Jungjäger und den guten Instruktoren war aber die Erlernung der benötigten Schiessfertigkeiten und des sicheren Umgangs mit den Jagdgewehren kein unüberwindbares Hindernis. 
Ich muss hier aber zukünftigen Jungjägern unbedingt anraten, gleich ein Gewehr mit einem normalen Standardkaliber ab mindestens 6.5 Milimeter für das Training zu verwenden. Aus eigener leidvollen Erfahrung muss ich berichten, dass der Wechsel vom Kaliber .222 auf das später von mir verwendete Kaliber 30.06 nicht einfach ist und bei mir zu einem sogenannten "Mucken" geführt hat (Hierzu folgt später ein separater Bericht). Dies, nachdem mir das Zielfernrohr nach der Umstellung einige Male gegen die Augenbraue geprallt ist. Wahrscheinlich habe ich mir auf Grund des geringen Rückstosses des Kalibers .222 eine falsche Handposition und Haltung angewohnt...

 

Während des Jahres 2006 war ich natürlich zwecks Ausbildung viel unterwegs und lernte auch das Hegerevier sowie die Jäger der Jagdgesellschaft näher kennen. Das Verständnis für die Jagd, ihre Beweggründe, das Brauchtum und die Zusammenhänge in der Natur wurden grösser.
Schliesslich kam im Herbst meine erste Herbst- und Bewegungsjagd! Ich war natürlich als Treiber mit dabei und meine anfängliche Zurückhaltung und Skepsis gegenüber der Jagd wich mehr und mehr. Der Brauchtum und die Traditionen, die Geselligkeit sowie der Umgang mit den erlegten Tieren waren ungemein faszinierend! Trotzdem konnte ich mir immer noch nicht vorstellen, je selber ein Tier zu erlegen...

 

Im Jahr 2007 folgten dann die Schiessprüfung und die mündliche Jagdprüfung, welche ich trotz grosser Nervosität und einiger kleiner Fehler und Unwissenheiten in den mündlichen Tests bestand. Ich war nun somit ein diplomierter Jäger!

 

In meinem Hegerevier durfte ich sodann als Jagdaufseher wirken und den Jagdbetrieb kennenlernen. Für die aufgehende Bockjagd erhielt ich sogar den Abschuss eines Rehbockes zugesprochen, was sich quasi als Initalzündung für meine jagdliche Faszination und Leidenschaft herausstellen sollte, obwohl oder vielleicht gerade weil mir die Erlegung eines Rehbockes nicht gelang!!

 

Aber die Freude und tiefe Befriedigung in Wald und Flur unterwegs zu sein und etwas für die Natur und Umwelt zu leisten und die wachsende tiefe Überzeugung das Richtige zu tun sind einfach unbeschreiblich...
Nichtsdestotrotz sehe ich mich immer noch als Jungjäger der viel zu lernen hat und wohl nie alles wissen wird! Zu erwähnen sei noch, dass mein Respekt den Geschöpfen unserer Natur gegenüber enorm gross ist und die Erlegung eines Tieres jeweils grosse Kraft und Überwindung kostet. 

 

Waidmannsheil, der Waldläufer

 

PS: Falls ihr eigene Erfahrungen, Anmerkungen oder Kommentare anbringen möchtet, so kontaktiert mich für eure Berichte unter info@schweizer-jagdblog.ch oder hängt die Kommentare untenstehend an! Besten Dank.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0