Wie funktioniert die Jagd im Kanton SO?

In diesem Bericht möchte ich Interessierten aufzeigen, wie die Jagd in den Revierkantonen in der Schweiz im allgemeinen und im Kanton Solothurn im speziellen funktioniert. Zudem gehe ich kurz auf die Zusammensetzung und die Organisation in einer Jagdgesellschaft ein... und erkläre wie man Pächter wird.

Das Jagdrecht, also das Jagdregal, steht in der Schweiz den Kantonen zu. Für die Verpachtung des Jagdrechtes haben sich in der Schweiz drei verschiedene Jagdsysteme entwickelt!

So etwas ist wirklich nur in der Schweiz möglich! ;)..

Zum einen die Revierjagdkantone und zum anderen die Patentjagdkantone. Als einzige Ausnahme kennt der Kanton Genf die Verwaltungsjagd (Regiejagd), bei der es keine privaten Jäger gibt.

Die Übersicht der Kantone sieht wie folgt aus:

„Karte Jagdrecht Schweiz 2016“ von Tschubby - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
„Karte Jagdrecht Schweiz 2016“ von Tschubby - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Nun denn, im Kanton Solothurn, wo ich zu Hause bin, gilt die Revierjagd. Die Aufteilung des Kantons in die verschiedenen Jagdreviere richtet sich grundsätzlich nach den Grenzen der politischen Gemeinden. Es kommt aber durchaus vor, dass einzelne Gemeinden auf Grund ihrer Grösse kein eigenes Revier bilden. Diese werden dann entweder komplett mit einer Nachbargemeinde zu einem Revier zusammengelegt oder auf verschiedene Nachbargebiete aufgeteilt. Zum Beispiel werden im Bezirk Dorneck-Thierstein die Gemeinden Bärschwil und Grindel in einem Jagdrevier zusammengefasst und die Gemeinde Büsserach teilen sich die Reviere von Breitenbach und Erschwil.

Natürlich gäbe es noch viele weitere Beispiele, diese sind aber nicht das Thema dieses Blogs. Die Einteilung der Reviere ist übrigens Sache des Kantons.

Die solothurnischen Jäger sind politisch in einem Dachverband namens Revierjagd Solothurn, das unterteilt ist in sechs Hegeringen, organisiert:

Die verschiedenen Reviere werden jeweils von den Jagdgesellschaften für eine Pachtperiode von acht Jahren fix vom Kanton gepachtet. Die aktuelle Pachtperiode im Kanton Solothurn läuft vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Dezember 2020.

Die einzelnen Jagdgesellschaften (Pachtgesellschaften) bilden wiederum gemäss Vertrag eine einfache Gesellschaft und haften gegenüber dem Kanton solidarisch für alle aus der Pacht hervorgehenden Verpflichtungen!

(Einschub: Die Gesellschaftsform ist aber ein grosses Thema der Totalrevision des Jagdgesetzes... an Stelle der einfachen Gesellschaften sollen zukünftig Jagdvereine treten. Auch nachfolgende Punkte sind Gegenstand von Veränderungen und Anpassungen. Können sich also alle noch ändern. Wir werden die Entwicklung im Jahr 2016 im Auge behalten und darüber berichten!)

Gemäss Gesetz besteht jede Jagdgesellschaft bei Revieren von weniger als 1000 Hektaren aus mindestens 4 und höchstens aus 8 Personen. Bei Revieren grösser als 1000 Hektaren beträgt die Mindestzahl 5 und die Maximalzahl 10 Personen.

Dabei müssen jeweils die Hälfte der Pächter ihren Wohnsitz im Kanton haben und Pächter, die älter sind als 70 Jahre, werden an die Maximalzahl nicht angerechnet. Und ebenfalls wichtig: Eine Person kann nur in einem Revier Pächter sein! Wobei es selbstverständlich auch hier eine Ausnahme gibt, nämlich dann, wenn die Reviergrösse unter einem bestimmten Hektarwert liegt. Ein Pächter könnte aber auch als Gast, Jagdaufseher oder Wildhüter in einem anderen Revier tätig sein, halt nur nicht als Pächter.

Wie sieht das nun konkret bei einer Jagdgesellschaft aus?

Meistens nutzen die Jagdgesellschaften den Maximalwert an Pächtern aus. Klarerweise verteilen sich dann die Aufgaben, Pflichten und Kosten auf mehr Köpfe. Insofern ist die Altersgrenze von 70 Jahren halt schon wichtig, da für jeden Pächter über 70 ein zusätzlicher Pächter nachgezogen werden kann.

In jeder Jagdgesellschaft gibt es dann mindestens einen Präsidenten, einen Kassier, einen Aktuar, einen Jagdleiter, einen Jagdaufseher und einen Wildhüter.

Pächter in einer Jagdgesellschaft zu werden wäre grundsätzlich ganz einfach: man stellt einen Gesuch um Aufnahme an die Jagdgesellschaft und an der Generalversammlung wird darüber abgestimmt.

Nun ist es aber so, dass praktisch alle Gesellschaften in ihrem Vertrag stehen haben, dass der Aufnahmeentscheid zu einem neuen Pächter einstimmig fallen muss! Ist nur einer nicht einverstanden, so hat der Eintrittswillige das Nachsehen.

Diese Regelung hat Vor- und Nachteile, auf die ich hier aber nicht eingehen möchte. Falls jemand weitere Ausführungen hierzu wünscht, kann er das via Kommentar gerne kund tun.

Einfacher ist die Aufnahme als Pächter, wenn man bereits die Ausbildung als Jungjäger und einige Jahre als Jagdgast, Jagdaufseher oder Wildhüter (auch hierfür muss ein Antrag um Aufnahme gestellt und darüber abgestimmt werden) im gleichen Revier absolviert hat. Meist ist die Abstimmung dann nur eine Formsache. Will man aber als Pächter das Revier wechseln, muss meist die "Rückstufung" zum Jagdgast in Kauf genommen werden.

Die Unterschiede zwischen Jagdpächtern und Jagdgästen (wie auch Jagdaufsehern und Wildhütern) sind je nach Revier anders. Grundsätzlich hat der Gast natürlich weniger Rechte. Er kann im Revieralltag nicht mitbestimmen und hat keine Stimme bei Entscheidungen. Ebenso kann er bei der Herbstjagd keine eigenen Jagdgäste einladen.

Jagdlich gibt es ebenso starke Unterschiede je nach Revier. Bei einigen ist er jagdlich gleichstellt. Bei anderen darf er nur Raubwild bejagen. Dann hat er vielleicht Raub- und Schwarzwild frei, aber nur Gämse und/oder Rehbock nicht. Mehrere Variationen sind denkbar und werden angewendet. Genauso verhält es sich bei den Arbeiten und Pflichten im Revier.

Der Jagdgast hat einen finanziellen Jagdbeitrag zu leisten, der aber kleiner sein muss, als die Pächter an Pachtzins entrichten.

Sodele, das wars dann erstmal. Ich hoffe, meine Ausführungen sind einigermassen verständlich. Bei Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen freue ich mich über eure Kommentare!

 
Waidmannsheil, der Waldläufer

 

PS: Gerne könnt ihr mir in eigenen Berichten erzählen, wie die Jagd in eurem Revier funktioniert... egal ob Revierjagd oder Patenjagd in der Schweiz oder die Jagd in Deutschland oder Frankreich! Würde mich, und sicherlich auch andere, sehr interessieren!
Bitte sendet eure Berichte an info@schweizer-jagdblog.ch und ich werde sie anschliessend gerne veröffentlichen. Besten Dank.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Johannes Maier (Donnerstag, 14 April 2016)

    Lieber Admin, vielen Dank für diese interessanten Infos. Kannst du bitte noch erklären, was der Unterschied zwischen einem Wildhüter und einem Jagdaufseher ist? Und was ist ein Wildhüter ohne Diplom? Wie wird man Wildhüter oder Jagdaufseher? Jagt ein Wildhüter auch wie ein Jäger oder greift er nur ein bei Fallwild und kranken Wildtieren?

  • #2

    Waldläufer (Donnerstag, 14 April 2016 23:46)

    Hallo Johannes!
    Vielen Dank für dein Kommentar und deine Fragen!

    Wildhüter und Jagdaufseher auseinander zu halten, ist wirklich nicht einfach... Und die Unterschiede aus meiner Sicht eher marginal!
    Der Jagdaufseher hat grundsätzlich jagdpolizeiliche Aufgaben wahrzunehmen, das heisst er muss alle Straftaten gegen das Jagdgesetz von Amtes wegen verfolgen und zur Anzeige bringen. Nicht gerade eine gute Voraussetzung um sich im Revier beliebt zu machen!
    Der Wildhüter hat fast die gleichen Aufgaben, sein Schwerpunkt ist bei uns aber eher bei den hegerischen Aufgaben zu finden.

    Grundsätzlich entscheidet jedes Revier mit seinen Verträgen und Pflichtenheften individuell über die jeweilige Aufgabenzuteilung. Bei einem ehemaligen Revier war ich mit einem Vertrag als Jagdaufseher "angestellt", obwohl ich natürlich keinen Lohn erhielt, und ein anderer "Frischling" wurde als Wildhüter angestellt. Die Aufgaben teilten wir uns dann aber Gebietsweise.
    Neben der Möglichkeit einen Jäger als Gast aufzunehmen, ist es halt eine einfache Variante einen Neuling ins Revier einzubeziehen und eher "unangenehme" Aufgaben abzugeben. Je nach Revier können beide jedoch auch vollwertige Jagdkameraden sein, ist halt von Revier zu Revier unterschiedlich.

    Die "Jobs" werden von der Jagdgesellschaft nach eigenem Gutdünken vergeben. Nach Gesetz müssen sie aber einen Jagdaufseher anstellen und dem Kanton melden. Seit es nur noch einen Jagdaufseher pro Revier geben kann, wird die Aufgabe gerne von einem Pächter übernommen und nicht an jemand anderes vergeben. Aber wie gesagt, sind die Aufgaben und Pflichten eines Jagdaufseher nicht ohne, nur verdrängen das einige gerne. Grundsätzlich kannst du bei einem Revier anfragen, ob sie dich als Wildhüter oder als Jagdaufseher anstellen wollen.

    Bei uns in der Schweiz gibt es ja in den Patentkantonen den Beruf als Wildhüter. Diese absolvieren alle nach Stellenantritt die notwendige Ausbildung und erhalten nach erfolgreich bestandener Berufsprüfung das Wildhüter-Diplom. Der Wildhüter in den Revierkantonen kann mit den "echten" Wildhütern nicht gleich gestellt werden. Sein Titel und seine "Berufserfahrung" ist im Vergleich nichts wert. Sie sind Wildhüter ohne Diplom.

    Wie bereits erwähnt, regelt jedes Revier die Aufgaben und Pflichten, aber auch die Rechte eines Wildhüters anders. Grundsätzlich jagd ein Wildhüter oder ein Jagdaufseher wie ein normaler Jäger, muss aber mit allfälligen Einschränkungen rechnen. So zum Beispiel, dass er keinen Bock oder keine Gämse erlegen darf, oder er hat sogar nur Raubwild frei...

    Ich hoffe, ich könnte deine Fragen zu deiner Zufriedenheit beantworten! Ansonsten gerne nachfragen!

    Waidmannsheil, der Waldläufer

  • #3

    Johannes Maier (Freitag, 15 April 2016 04:19)

    Dann hat ein Jagdaufseher und Wildhüter gar keine zusätzliche Ausbildung ausser den Jagdschein in den Revierkantonen? Ist also mehr ein Titel, weil das Gesetz es so vorschreibt. "Bei einem ehemaligen Revier war ich mit einem Vertrag als Jagdaufseher "angestellt", obwohl ich natürlich keinen Lohn erhielt, und ein anderer "Frischling" wurde als Wildhüter angestellt." Woher haben die Jagdaufseher und Wildhüter in den Revierkantonen das jagdpolizeiliche Wissen, die Jagdgesetze sind doch auch von Revierkanton zu Revierkanton verschieden?

  • #4

    Waldläufer (Freitag, 15 April 2016 08:12)

    Ja, grundsätzlich ist das so, dass in den Revierkantonen keine zusätzliche Ausbildung angeboten oder verlangt wird. Wobei mir die genauen Verhältnisse in allen Revierkantonen nicht bekannt ist.... eine Ausbildung könnte irgend wo also schon der Fall sein.

    In Zürich gibt es jedenfalls eine zusätzliche Prüfung für Jagdaufseher, mit der zusätzliche Jagdrecht-Kenntnisse ausgewiesen werden. Die Prüfung ist jedoch nur notwendig, wenn ein Revier einen "externen" Aufseher anstellen möchte (im Regelfall demnach ein Jungjäger). Jeder Revierpächter kann ohne weiteres ohne diese Prüfung als Jagdaufseher fungieren.
    In Solothurn werden die gemeldeten Jagdaufseher ohne Prüfung vereidigt.

    Die Kenntnisse erwirbt jeder Jungjäger im Rahmen seiner Ausbildung für die Jagdprüfung, dort wird das Gesetz nämlich geprüft! Gelernt wird neben dem Bundesteil, das ja für alle gleich ist und eher allgemein gehalten ist, der speziellere und spezifischere Kantonsteil. Jeder Jungjäger erhält hierzu die jeweiligen für sein Kanton geltenden Gesetzestexte ausgehändigt.
    Auf diesen Gesetzen und Verordnungen basiert das Wissen...

    Waidmannsheil, der Waldläufer

  • #5

    Johannes Maier (Freitag, 15 April 2016 10:18)

    Vielen Dank für die Infos Waldläufer. Was würdest Du ändern - was gefällt dir nicht auf der Jagd, Jagdgesetze, Jäger, Wildtiermanagement usw. ?

  • #6

    Waldläufer (Freitag, 15 April 2016 22:51)

    Bitte, gerne.

    Die Jagd ist halt wie sie ist...

    Die Jagdgesetze haben schon ihren Sinn... Nur über die geplante Revision kann man diskutieren. Da sind nicht alle geplanten Änderungen wirklich durchdacht. Dazu kommt später sicherlich mehr!

    Der Nachwuchs macht auch Sorgen. Hier wäre irgendeine Vereinfachung für die Aufnahme von Jungjägern oder sogar die Pflicht einer Aufnahme in den Jagdrevieren denkbar.

    Auch eine einfache Möglichkeit für Jäger um in den Nachbarrevieren zum Beispiel bei viel Schwarzwildschäden auszuhelfen zu können wäre toll... Dazu müsste jedoch unbedingt die zum Teil engstirnige Einstellung einiger Jäger ändern.
    Dazu gehören auch die Treibjagden. Hier muss ebenfalls ein Umdenken stattfinden und sich Raum für Reviergrenzen überschreitende Jagden entwickeln... Damit könnte allenfalls mit weniger Jagdtagen und demnach weniger Beunruhigung für das Wild eine angemessene Strecke erlegt werden.

    Auch dass viele Wildkorridore nicht mehr intakt sind und somit das Wild in ihren Wanderungen stark eingeschränkt ist, missfällt mir sehr. Da sehe ich den Bund und die Kantone in der Verantwortung, aber mehr Druck oder gar Unterstützung von den Jägern wäre toll.

    Das sollte für's erste mal reichen...