Verblenden / Kitzrettung

Eigentlich hätten wir Jäger in den letzten Wochen viel Arbeit mit dem Verblenden der zu mähenden Wiesen haben müssen, haben jedoch nur sehr wenige entsprechende Anfragen von unseren Bauern erhalten. Ich weiss noch nicht, was die Gründe hierfür sind, doch wäre es allen Bauern in allen Ortschaften unbedingt anzuraten, die kostenlose Hilfe und Unterstützung der Jägerschaft hierfür in Anspruch zu nehmen!

Die Jungtiere von zum Beispiel Reh und Feldhase würden es ihnen danken...


Was ist Verblenden überhaupt?

Sucht man im Duden die Wortbedeutung für das Verb "verblenden", so finden sich drei verschiedene Bedeutungen:

- einmal meint sie die Unfähigkeit zu vernünftigem Überlegen, zur Einsicht oder zur richtigen Einschätzung der Lage...

- dann wird das Verb im Bereich der Zahntechnik genutzt, um das Überziehen einer Krone aus Metall mit einer Farbe zu bezeichnen...

- und schliesslich mit etwas mehr Bezug zur Jagd, das Verkleiden. Zum Beispiel das Verblenden einer Fassade mit Aluminium.

Im Jagdlexikon lässt sich schliesslich zu dieser dritten Bedeutung der Zusammenhang mit der Jagd finden:

Gemeint ist damit das Verblenden der jagdlichen Hochsitze, Leitern oder Schirme mit Material aus der Umgebung. So werden zum Beispiel meist Zweige verwendet um Hoch- und Bodensitze als Tarnung zu verkleiden, oder eben zu verblenden.

Scheinbar wird das Verb auch genutzt um das Abdecken des erlegten Tieres mit Zweigen, Reisig und Laub als Schutz vor Raubwild zu bezeichnen. Auch "verreisern" genannt.

Ich muss zugeben, dass ich selber diese Bezeichnung noch nie in diesem Zusammenhang auf der Jagd gehört habe! Erst im Zuge meiner Recherche zu diesem Beitrag bin ich darauf gestossen...

Man lernt halt doch nie aus!

Aber was hat jetzt das Verb "Verblenden" mit der Kitzrettung zu tun??

Wozu Verblenden?

Nun, bei uns in der Schweiz... Hmm... bin gerade unsicher wegen dem Kantönligeist...

Also zumindest im Kanton Solothurn oder noch genauer, in unserer Region, bedeutet "Verblenden", dass am Tag vor dem Mähen einer Wiese durch den Bauern, Massnahmen ergriffen werden, die die Muttertiere dazu bringen sollen, ihre in der Wiese abgelegten Jungtiere abzuholen und an einen anderen Ort zu verbringen.

Klassischerweise hier also "Verblenden" die klasische Kitzrettung! Aber auch Junghasen sollen durch ihre Muttertiere abgeholt werden.

Sowohl Rehe und Hasen legen ihre Jungtiere gerne einzeln im dichten hohen Gras ab. Da sie noch keinen Eigengeruch haben und durch ihre Fellfarbe hervorragend getarnt sind,  drücken sie sich bei Gefahr ins hohe Gras und bewegen sich nicht. Eine Entdeckung durch Fuchs und Krähe geschieht meist nur durch Zufall. In ihren ersten Lebenswochen wäre eine Flucht sowieso schlecht möglich.

Das selbe Verhalten zeigen sie dann auch wenn die Mähmaschine kommt, leider mit verhängnisvollen Folgen!

Bilder von "vermähten" Jungtieren gibt es im Netz genug. Den traurigen Anblick erspare ich dem geneigten Leser an dieser Stelle.

Wie wird verblendet?

Um den Jungtieren die Qualen durch die Mähmaschine zu ersparen, sollte am Vortag des Mähens "verblendet" werden.

Wir verwenden bei uns im Revier etwa 2.5 Meter lange Holzstangen, meist von der Haselnuss geschnitten, an denen weisse Tücher und weiss-rot farbiges Absperrband befestigt werden. Dieses Absperrband raschelt und bewegt sich auch beim leisesten Windhauch.

Alles was sich bei jedem schwachen Windstoss bewegt oder leise Geräusche verursacht eignet sich jedoch bestens dazu, das Wild zu "vergrämen". Auf den nebenstehenden Bildern sieht man einige schöne Varianten für das Verblenden.

Gerne verwendet werden auch die Warnblinkleuchten, die man von den Baustellen her kennt.

Alle haben jedoch gemeinsam, dass ihre Wirkung zeitlich beschränkt ist! Das heisst, wenn sie bereits zwei oder drei Tage vor der Wiesenmahd aufgestellt werden, gewöhnen sich die Wildtiere schnell daran. Die beunruhigende Wirkung verpufft... und die Jungtiere liegen wieder in der Wiese!


Oktopoter (Bild: BJV)

Ebenfalls eine gute beunruhigende und vergrämende Wirkung hat alleine das Durchgehen der Jäger, auch mit ihren Hunden, auf Teilen der Wiese. Dies geschieht alleine durch die hinterlassene Witterung, auch "verwittern" genannt.

Neuerdings wird auch die neueste Technik mittels Drohne und Wärmebildkamera zur Kitzrettung eingesetzt. Deren Wirkung muss sich aber erst noch im häufigen Einsatz weisen.

Im Bild ist ein Oktopoter im Einsatz zusehen.  (Bild: BJV)


Hier noch ein Verweis auf den interessanten deutschen Jagdblog von Dreispross mit seinem "Jäger-Alltag". Er zeigt im Bericht "Vorbereitung für Wiesenmahd & Kitzrettung" sehr schön die Herstellung der von ihm betitelten "Rehgespenster".

Finde ich im übrigen eine gelungene und passende Bezeichnung!

Hier noch eine Meldung des deutschen Jagdverbandes zur Kitzrettung sowie ein Filmchen dazu:

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Jungwild nicht anfassen!
Jungwild bitte nicht anfassen! | Deutsch
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Zum Schluss noch ein Hinweis des Amtes für Jagd und Fischerei des Kantons Baselland zur Jungwildrettung:

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Verblenden - Jungwildrettung - Hinweis Jagd und Fischerei Kanton BL
Verblenden - Dokument Basellandschaft.pd
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Waidmannsgruss, der Waldläufer

  

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Kommentare: 1
  • #1

    "Gspängscht" (Sonntag, 19 Juni 2016 12:21)

    Hoi Waldläufer!
    Rehgspänsgschter... hehe, dä isch güet!!
    Weidmannsheil