Es ist Herbstjagd...!

Beim ersten Blick aus dem Fenster, begrüssten mich an diesem Samstag morgen dichte Nebelschwaden in unserem Tal... ein ungewohnter Anblick, den der Nebel bleibt üblicherweise im Laufental stecken und verschont unsere Gemeinde.


Dennoch, nach wochenlanger Jagd-Abstinenz auf Grund unserer geplanten Ferienabwesenheiten, freute ich mich ungemein auf den heutigen ersten Jagdtag unserer Herbstjagd!!!

Die Herbstjagdsaison fängt ja eigentlich bereits am 1. Oktober an, wenn gemäss des solothurnischen Jagdkalenders, der Schrotschuss auf das Reh freigegeben ist, sowie auch die "laute Jagd", also der Einsatz von Jagdhunden gestattet ist. Diese Zeitspanne dauert bis zum 15. Dezember an. Danach ist die Jagd mit Schrot auf das Reh wie auch der Gebrauch der Jagdhunde in den Treibjagden nicht gestattet.

Erlaubt ist anschliessend bis zum Beginn der jeweiligen Schonzeit jedoch immer noch die Jagd mittels Einsatz von Treibern auf Wildsauen, Füchse und Dachse.

Bereits am Freitag Abend hatte ich die benötigte Ausrüstung in Rucksack und Jagdkiste gerüstet und im Auto griffbereit verpackt. Das Gewehr wurde nochmals gereinigt und leicht geölt; der Jagdpass vorsorglich in eine der Brusttaschen des Jagdhemdes verstaut. Nicht, dass vor lauter Aufregung und Nervosität am Morgen früh die wichtigsten Utensilien vergessen werden!!

Treffpunkt war um 8.30 Uhr bei uns im "Schwalbennest". Natürlich trifft jeder Jäger eine gute Zeit vorher ein, um am bereits lodernden Feuer jeden Jagdkameraden begrüssen und einen kleinen Schwatz halten zu können. Ein frohes "Hallo und Waidmannsheil" machte die Runde, denn einige Kameraden und Gäste sahen sich allzu selten während des vergangenen Jahres! Schon bald liessen die Jagdhornbläser einen ersten Gruss ertönen und Jäger und Treiber sammelten sich im Kreise.

Nach dem Signal "Aufbruch zur Jagd" hielt unser Präsident eine kleine Ansprache, übergab das Wort dem Jagdleiter, der noch die nötigen Unterweisungen in Sachen Sicherheit und gesetzlichen Bestimmungen gab und alsbald die Stände für das erste Treiben an die Jäger verteilte. Die Treiber waren über ihre Routen schon vorab informiert worden, so dass wir uns in kleinen Gruppen schleunigst auf den Weg zu unseren Ständen machten.

Auf den nebenstehenden Bildern könnt ihr entnehmen, wie es an meinem ersten Stand aussah, zu dem ich erst mal geschätzte 80 Höhenmeter hoch kraxeln musste.

Eine Nebelwand, mal dick, mal etwas lichter, umgab mich während der ganzen Zeit... und das Laub war grösstenteils noch an den Bäumen.

Die vom Nebel nassen Bäume und Sträucher tröpfelten beständig und niederfallendes Laub raschelte hier und dort... wahrlich keine einfachen Verhältnisse für eine Drückjagd!!


Ich stellte mich darauf ein, nur schwierig Wild ansprechen, geschweige denn überhaupt ausmachen zu können. Sollten alle Jäger unserer Jagdgruppe die gleichen Bedingungen haben, so rechnete ich für heute mit einer sehr kleinen Strecke.

Das Signal für den Beginn der Jagd erklang und wurde von allen Jägern weitergegeben... sogleich erklang das Geläut der Hunde... Gänsehaut pur gleich zu Beginn!!!

Schon hörte ich einen der Hunde stechen und ein Tier hochmachen... noch ziemlich weit entfernt... und doch ging es mir schon durch und durch... Adrenalin pur strömt durch den Körper!

Wer dieses bestimmte Bellen eines Hundes, das auf Wild trifft, noch nie gehört und erlebt hat, der kann nicht verstehen, was in diesem Moment in einem Jäger vorgeht...

Und auch wenn das Hundegeläut einem selbst noch fern erscheint, so muss man doch bereit sein, denn die Wildtiere wechseln den Jäger lange vor dem Hunde an.

Nicht anders erging es mir...

Bereits war eine Viertelstunde vergangen und am Bellen des einen Hundes konnte man erkennen, dass er einer Fährte folgte, aber doch in ziemlichen Abstand zum Wild und ein gutes Stück von mir weg.

Plötzlich gewahrte ich aus dem Augenwinkel eine leichte Bewegung im Dickicht. Langsam drehte ich meinen Kopf in die Richtung und erkannte ein Reh, welches äusserst langsam, sichernd und mit starkem Ohrspiel in meine Richtung kam.

Bevor ich überhaupt meine Bockbüchsflinte hochnehmen konnte, waren es auf einmal drei Rehe! Eine Geiss mit ihren beiden Jungtieren. Dicht gedrängt standen sie nun in guter Schussdistanz von etwa 30 Metern beieinander.  Sie kamen grundsätzlich unbejagt, waren aber doch von den Hunden beunruhigt worden  und wechselten deshalb so ruhig an mir vorbei... ihre Konzentration war nach hinten und von mir weg gerichtet.

Mittlerweile hatte ich mein entsichertes Gewehr an der Schulter und schaute durch das Zielfernrohr mit dem Leuchtpunkt auf die Stücke. Ein herrliches Bild! 

Ich war nicht mal enttäuscht, als die Geiss unvermittelt scharf die Luft einsog und flüchtig im Pulk mit den beiden Jungtieren nach oben zum Schlupf entschwand.

Ein Schrotschuss auf ein Stück hatte sich hier durch die Jagdethik unbedingt verboten, standen doch alle drei viel zu nahe zusammen! All zu leicht hätten die anderen beiden Rehe bei einem Schrotschuss auf das dritte Reh verletzt werden können...

Die restliche Zeit bis zum Signal für das Ende des Treibens verbrachte ich ruhig die herrliche Nebelstimmung geniessend ohne weiteren Anblick.

Bilder vom zweiten Stand diesen Morgen...

Zurück am Sammelpunkt wurden die Sichtungen des letzten Treibens gemeldet (meine drei Rehe, ein weiteres Reh und ein geschonter Fuchs) sowie die neuen Stände für das zweite Treiben verteilt und anschliessend sogleich bezogen.

Bei uns dauert das Beziehen des Standes je nach Ort circa eine halbe bis dreiviertel Stunde!!

Hier war der Wald noch dichter um mich herum... eine effektive Schussschneise ergab sich nur in eine Richtung.

Zweimal konnte ich unterhalb von mir eine Jagd akustisch an mir vorbei ziehen hören. Das heisst, ich hörte nur den Hund einer Fährte folgen. Mein Nachbar meldete am Schluss den Anblick von zwei bejagten Rehen, die ausserhalb seiner Schussdistanz vorbei gingen, sowie einen Fuchs.


Nach zwei Treiben war somit noch kein Schuss gefallen, obwohl doch einiges Wild in Anblick kam. Meist waren die Stücke zu weit oder zu nah... ja auch zu viel Nähe verunmöglicht einen Schuss! Ich möchte jedenfalls kein Reh beschiessen, das keine vier Meter vor mir aus der Dickung kommt und gleich darauf wieder darin verschwindet... vielen Dank dem Jäger, der dies ebenfalls so handhabte!!

Im dritten Treiben, das ich in konzentrierter und relativ entspannter Betrachtung meiner Umgebung verbrachte, fiel schliesslich eine Geiss, das mit einem Doppel erlegt werden konnte.

Dieselbe Geiss war kurz zuvor von einem anderen Jäger beschossen worden, dessen Schrotgarbe aber vollumfängliche im Stamme einer nahen Fichte landete.

Das kann im dichten Wald leider ab und zu vorkommen. Eine Rehgeiss bildete demnach die ganze Strecke des Tages.


Zu schnell für mich und meine Kamera wurde das Stück Wild am letzten Sammel- und zugleich Aserplatz aufgebrochen, versorgt und auf die Strecke gelegt. Zu seinen Ehren wurde das Signal "Rehwild tot" von den Jagdhornbläsern intoniert. Danach "Jagd vorbei" und "Halali" geblasen. Immer wieder sehr eindrücklich und stimmungsvoll!

Anschliessend ging es für die Jäger und Treiber ans Asern am gemütlichen Feuer. Eine leckere Suppe mit guten Brot wurde reihum gereicht und der Tag klang mit Geschichten und Erzählungen aus.

Gar musiziert und gesungen wurde noch zur späten Stunde... ein Liedchen vermochte ich zusammen mit dem Feuer aufzunehmen... und wenngleich zwei Personen da etwas reinreden, kriegt man doch die Stimmung unter uns gut mit!

Sechs weitere Jagdtage folgen bei uns noch und ich freue mich auf jeden einzelnen davon!!


Waidmannsgruss, der Waldläufer

  


Kommentar schreiben

Kommentare: 0