Dinkelbergjagd

Wir waren heute Sauen jagen... und noch viel mehr... 

Dinkelbergjagd

Die Dinkelbergjagd ist für mich eine magische Jagd, nicht, weil sie alleine schon von ihren Ausmassen her unglaublich ist, revierübergreifend, viele Sauen, noch mehr Schützen, viele Treiber, viele Hunde.

Es ist jedes Mal ein einziges Abenteuer dabei zu sein, aber nicht nur.


Es ist die Jagd, an der für mich alles begann, an der ich meine erste Sau gesehen habe, an der ich das erste Mal selbst aufgebrochen habe, an der ich das letzte Mal mit Moritz und das erste Mal mit Lotte gejagt habe und und und, so viele Erinnerungen, so viel Freude, so viel Spass.

Auch der heutige Tag wird mir sehr in Erinnerung bleiben, das erste Mal mit meinem Freund auf dieser Jagd unterwegs, der Erste, der mich überhaupt begleitet hat.

Anfangs war ich eher unmotiviert, weil ich Mitjäger angetroffen habe, die in meinen Augen keine Jäger, sondern einfach nur Jagdscheinbesitzer sind und für die ich also an diesem Tag treiben sollte, aber so kann es gehen und ich freue mich doch immer mit meinen Hunden jagen zu können.

Die beiden Mädels waren extrem motiviert, obwohl Lotte am Mittwoch bereits als Solojägerin eine irre Leistung gezeigt hat. Aber ich kenne keinen Hund, der sich so schnell regeneriert und so schnell wieder fit ist, wie mein Löttchen. Freya und Virto, unsere beiden Vorstehhunde sollten ebenfalls mit im Trieb geschnallt werden, Sauen gibt es en masse und die beiden zeigen sich gut. Man kann trefflichst darüber streiten, ob man Vorstehhunde auf Sauen schnallt, wir tun es und meine Freya, die ja oft genug Irrsinn gezeigt hat, wird mit jedem Jagdtag erfahrener und besonnener.

Heute war sie eine ganz besonderes Freude. Es zeichnete sich bereits schon länger ab, dass sie ihre liebgewonnene Angewohnheit (sie liebte sie, ich nicht) weit zu jagen und weit weg zu gehen, so langsam ablegte und auch beim freien Stöbern endlich ein Ohr für das arme Frauchen offen hielt, nachdem ich sie mehr als einmal stundenlang nach den Treiben gesucht hatte. Virto ist noch unerfahren und kein Draufgänger, sondern ein intelligenter Jäger, er hält Abstand und zeigt schön an, also alles in Ordnung. 

Wir stapfen also los und bereits nach wenigen Metern bricht Tumult los, Lotte an einer Sau, Freya an einem Reh (das ganz war etwas ander geplant, aber mein Gott) beide Hunde laut, beide Hunde weg.

Mein Herz in der Hose, jetzt jagt der verdammte Arschbart wieder so, wie er nicht soll.

Obwohl ich mir keinen grossen Erfolg versprach, pfiff ich, Freya stand nach weniger als einer Minute bei mir. Etwas sprachlos, aber glücklich schickt ich sie weiter und sie revierte wunderschön um mich herum.

Mein Herz machte einen Sprung.

Wer hätte gedacht, dass dieser Punk doch noch einmal anfangen würde nachzudenken!

Mein persönlicher Highlightmoment war ein bombenfest vorgestandenes Reh, das sich 15 Meter neben einen Schützen gedrückt hatte. Sie stand und stand und stand und liess sich nicht beirren, mein Gott, was für ein Anblick. Als ich dazu stolperte und nachdem ich das Bild ausgiebig genossen hatte, sprang der Bock ab, Freya hinterher und jagte es ein paar Meter UM DANN UMZUDREHEN!

Was zur Hölle ist mit meinem Arschbart passiert? Das Hohlbrot. Das sich gerade eng an meinen Arm schmiegt und von körperlicher Nähe nicht genug bekommen kann...

Gemeinsam, mit wenigen Zeichen, drückten wir Brombeerverschläge und Jungwuchs, immer mal wieder mit Lottis überschlagendem Laut im Ohr, aber offenbar für Freya zu weit entfernt, um beizuschlagen.

Sie verhielt sich wie ein ganz normaler Vorstehhund!!

Auf den letzten hundert Meter kam es zur Katastrophe.

Freya jagte eng bei mir, wenige Meter voraus, als mein Treiber neben mir schrie.

Ich versucht zu eruieren, was passiert war.


„Schnittwunde!“

Wird wohl nicht so schlimm sein, dachte ich und ging eher gemütlich in seine Richtung, ein junger Kerl, die Dorfjugend treibt gern, weil es die knappe Taschengeldkasse aufbessert.

„Ich bin auf meine Machete gefallen.“

Ich rannte los, der Kerl hatte mir in unserer Getränkepause gerade noch erzählt, wie scharf er das Teil geschliffen hätte. Bei ihm drehte es mir kurz den Magen um, um Michis Worte zu zitieren, ich konnte ohne grössere Untersuchung erkennen, dass wenigstens die Knochen heil geblieben waren...

Es blutet, als würde ein Schwein abgestochen.

„Ich spüre meine Finger nicht mehr, ich kann nichts bewegen.“

Was mich nicht wunderte, aber ich versprach ihm, wider besseren Wissens, dass das nur der Schock wäre.

Ich schrie nach einem Krankenwagen und gleichzeitig zog ich den langen Kerl hoch und redete ihm gut zu, dass er jetzt schnell zum Weg hochmüsse. Er fing an kreidebleich zu werden und schwitzte, na klasse. Ich war ganz allein mit ihm. Er stiefelte wacker zum Weg, begleitet von vielen banalen Fragen meinerseits, es gab für mich keinerlei Erstversorgung mehr zu tun, zum Spülen hatte ich nichts dabei und den Krankenwagen konnte ich schon hören. Innerhalb von zehn Minuten war der Junge verladen und versorgt, er musste in die nächste grössere Stadt ins Krankenhaus geflogen werden.

Dies war mein bisher schlimmstes Erlebnis auf einer Jagd, ich gehe seit vielen Jahren als Treiberin mit, ich liebe es, wenn die Hunde arbeiten. 

Ob ich richtig reagiert habe, weiss ich nicht, durch den Schock hat der Junge nicht stark geblutet beim Hochlaufen, ich wollte in die sensible Hand keinerlei Verunreinigungen in Form von Gaze und Kompresse hineindrücken.

Ob das richtig war?

Ich weiss es nicht, ich habe daran zu knapsen. Bei einem Tier weiss ich sofort, was zu tun ist, aber bei einer solchen Verletzung an so delikater Stelle?

Keine Ahnung.

Ich werde mich so schnell es geht wieder an einem Nothelferkurs anmelden, zu wenig geübt bin ich im Umgang mit Verletzungen bei Menschen.

An meiner Seite schnarcht der Arschbart, der diesen Namen schon lange nur noch virtuell trägt.

Meine Schöne, mein Seelenhund, so viele graue Haare habe ich wegen ihr bekommen, so viel Freude macht sie mir. Freud und Leid liegen so nah beieinander.

Ich hoffe sehr, dass es dem Jungen bald wieder besser geht und seine Hand vollständig gerettet werden kann.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0