Natalie und ihr Maibock!

Nach drei Tagen Ansitz ist es endlich soweit: mein Maibock liegt!

Beim ersten Ansitz musste ich erstmal feststellen, dass meine lieben Rehe wohl nun eher den Weg hinter mir, über den Pirschweg zum anderen Waldteil nehmen. Der Blick durch das hintere Fenster der Kanzel lohnte bisher nicht.


Da viele Äste, keine Sicht und das Wild doch nur von der Seite und von vorne über die Lichtung mit Kirrung zog, so bleibt das Fenster halt in der Regel zu.

So auch am ersten Ansitz.

Weibliches Rehwild zog rechts hinter mir rüber. Stand teilweise links an der alten Salzlecke und zog dann weiter Richtung Nachbarswiesen, welche hinter meinem Waldstück angrenzen. Ein Stück zog schön auf die, trotz Dämmerung, sehr helle und offene Lichtung.

Weiblich. Nix schmal, gut weiblich.

Ein Schrecken neben mir im dunkleren Waldeck.

Na super.

Ok.

Das war vermutlich der ersehnte Bock.

Aber so ist eben Jagd. Anblick hatte ich immerhin. Rehe, Fuchs und Marder ließen sich blicken.

Die nahen Gleisarbeiten begleiteten meinen Ansitz leider mit Hupen, Quietschen, Rumpeln, Motoren-geräusche der Baufahrzeuge, etc.

Das mit der Erholung im Wald ist ja mittlerweile so ne Sache.

Beim zweiten Ansitz konnte ich wieder sehr früh einer noch tragenden Geis zusehen, wie sie sich genüsslich über die Salzlecke hermachte; Tauben ließen sich neben mir auf den Bäumen nieder und Familie Amsel hatte wohl Ehekrach.

Es sah schwer nach "ich zieh zu meiner Mutter" aus.

Ein chaotisches hintereinander Herfliegen, begleitet von aufgeregtem Gezwitscher war ein doch sehr unterhaltsamer Anblick.

Die Gleisarbeiten waren an diesem Abend Lautstärkentechnisch auf ihrem Höhepunkt. Bezüglich sämtlicher Quietschgeräusche an Klappen, Rampen etc.: WD40 GIBT ES AUCH IN GRÖßEREN ABFÜLLMENGEN!!

An diesem Abend konnte ich bis auf ein Stück, alle als weiblich ansprechen. Das nicht ansprechbare, stand laut äsend fast unterm Sitz. Verdeckt durch dichte Haselnusssträucher und Buchenlaub der nahen Bäume.

Mit Tinnitus in den Ohren gab ich schliesslich gegen 22 Uhr auf.

Am gestrigen Abend schnappte ich mir erstmal meine Stihl und beschloss der schlechten Sicht ein Ende zu bereiten. Optimistisch bearbeitete ich die Bäume mit größter Sorgfalt und freute mich schon drauf die Rehe noch schneller und besser ansprechen zu können. Divarunde gedreht. Hund und Katz zu Hause versorgt.

Ab zum vorerst mal letzten Versuch den Bock zu erlegen.

Voller Elan richtete ich mir meine Kanzel ein.

Drehte die Bank so, dass ich mit dem Rücken zur alten Salzlecke sass und war voller Hoffnung auf Erfolg. Keine viertel Stunde später hörte ich es HINTER mir rascheln.

War ja so klar.

Wussaaaa... ok.

Leicht, mit dem Fernglas im Anschlag, drehte ich mich zur Salzlecke.

Aha.

Mutti ist wieder da.

Na dann.

Frohes Lecken.

Ich hörte hier und da ein Knacken.

Nix.

Die Gleisarbeiten waren recht erträglich von der Lautstärke. Mutti immernoch am lecken. Die Dämmerung zwang mich, mich hauptsächlich auf die Lichtung zu konzentrieren.

Und da stand er auf einmal.

Ganz hinten. Aber er war da.

Schön mitm Hintern zu mir.

Toll.

Na ok. Hauptsache mal da.

Erst im aller letzten Büchsenlicht stellte er sich breit und ich ließ die Kugel aus dem Lauf.

Geblendet vom Mündungsfeuer wartete ich einige Minuten ab.

Ein Reh schreckte links von mir.

Sollte ich ihn etwa unterschossen haben und er stand nun laut blökend im Wald? Na mal schauen.

Erst mal abbaumen und nachschauen.

Mit Taschenlampe, Bergegurt und Gewehr lief ich über die Lichtung.

Ein Reh wechselte etwas irritiert genau da, wo der Bock vorher am äsen war.

Komische Sache.

Reh sah aber im Lichtkegel meiner Taschenlampe heile und nicht auffällig aus.

Weg war es. Ich leuchtete wieder zum vermeintlichen Anschuss.

Schon auf den letzten 10 Metern konnte ich etwas Decke im hohen Gras erkennen.

Bock lag.

Direkt am Anschuss.

Etwas hoher Lungenschuss aber alles gut.

Mühevoll zog ich ihn über die etwas hügelige Lichtung (die Sauen hatten hier volle Leistung mit ihren Steckdosen bei der Nahrungssuche gebracht). Vor dem Einladen ins Auto durfte natürlich der letzte Bissen, gefolgt vom Inbesitznahmebruch nicht fehlen.

Aufgebrochen wurde zu Hause am Gartentor. Schön sauber mit Stirnnlampe und den Wasserschlauch immer greifbar. Meine Nachbarn hatten hoffentlich nicht den schlimmsten Anblick ihres Lebens, so sie rausgeschaut haben sollten.

Aber ja, auch das gehört nunmal dazu.

Nicht nur das eine Stück Fleisch da aufm Teller. Das hatte auch mal ein Innenleben. Saubergemacht verbrachte ich meinen Bock dann in meinen Wildkühlschrank. Morgen wird dann meine Kollegin die frohe Botschaft bekommen, dass ihre Truhe dann wieder etwas voller und der Grillabend gerettet sein wird.
Waidmannsheil und Waidmannsdank

Natalie Bernhard


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