She's nothing like the girls...

„She`s nothing like the girls, you`ve ever seen before, nothing you can compare to your neighbourhood whore..“ singt mir David Guetta gerade ins Ohr, während ich mitten in der Nacht hinter meiner Drahthaarhündin festgeschnallt über die Felder renne und meine Oberschenkel sich anfühlen, als wollten sie explodieren.


Diese blöde Kuh da vorne, die weiss genau, dass ich nicht mehr kann, oder weiss sie genau, dass ich nicht mehr will?

Wie jeden Dienstag hatte ich nämlich Sport mit meinen Schülern- Kraft und Kondition - ich habe keinen Stich gegen die zwölfjährigen Kids, aber immerhin, ich schwitze mit. Danach gönne ich mir meistens einen ruhigen Abend, aber seit geraumer Zeit, ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, seit wir den Hunden etwas höherenergetisches Futter geben, müssen die abends nochmal richtig die Sau rauslassen.

Freilauf scheidet bei uns eindeutig aus, denn wir sind umgeben von zutraulichen Suizid-Rehen, die meinem Drahthaar gerne mal „Gute Nacht“ sagen wollen... 

sie hingegen würde ihnen direkt die Lichter aus machen.

Meistens spanne ich die beiden Vorsteher ein und der Beagle läuft frei mit, aber die beiden anderen Vierläufer sind heute nicht abkömmlich. Eigenständig unterwegs mit Herrchen oder gar ganz alleine jagend mit einer lieben Freundin.

Also habe ich mich, den inneren Schweinehund bereits vorher erstechend, schon in der Schule umgezogen, den durchlöchterten St. Pauli Hoodie, meine dicken Laufhosen, das Geschirr ist im Auto. Ich bin nicht mal in die Wohnung gegangen, gleich Schuhe an und los.

Meine Drahtine kennt mich, wir sind mittlerweile ein eingespieltes Läuferteam, sie weiss ganz genau, ob Frauchen noch kann oder nur so tut als ob, ...oder ob ich wirklich aus dem letzten Loch pfeife. Heute Abend meint sie es aber nur allzu gut mit mir.

Sie hängt im Geschirr, als würde unser Leben davon abhängen, meine Oberschenkel brennen, ich rieche den Schnee, der in der Luft hängt, der Schweiss läuft mir den Rücken runter, aber ich friere nicht.

Wir kennen uns so gut, diese Hündin und ich.

Sie pullt vorne, ich kann sie mit kleinsten Kommandos lenken, ein Schnalzer, ein „links“ oder „rechts“ und weiter geht die wilde Fahrt durch die Nacht.

Mal wird sie schneller ...ein Reh, oder ein Fuchs... dann pullt sie wieder im Arbeitstrab und lässt es wirken, als ob unser Leben davon abhängt möglichst weit zu rennen.

Niemand kreuzt unseren Weg, freie Fahrt...

Das Ziel war ein lockerer Lauf mit seichter Rockmusik, oder sogar einem Hörbuch, aber mein Mädel hat anders entschieden.

Vollgas...

Die Sport-Liste bitte!

Jetzt...

Renn!!!


Es ist wirklich stockfinster, es gibt keine Beleuchtung, über uns der weite, eiskalte Himmel, vor uns der schneebedeckte Berg und ganz klein und unscheinbar wir beiden.

Mir kommen tausend Bilder in den Sinn, Jagden, Training, Spass mit den Hunden und besonders mit ihr.

Kein Hund fordert mich so heraus, wie sie.

Kein Hund belohnt mich so sehr, wie sie.

Wie jetzt gerade, sie lässt nicht locker, das ist ihr Naturell. Sie hat Laune und jetzt muss Frauchen mithalten, tausend Mal in tausend Facetten haben wir diese Konstellation durch...

Dafür werde ich aber auch belohnt!

Allerdings erst, nachdem mir einige weitere Haare für immer grau geworden sind.

Wir üben vorstehen, tausend Mal.

Sie rennt durch die Fasanen...

in die Fasanen...

steht gar nichts vor oder vergisst im Übereifer, dass sie überhaupt stehen bleiben könnte. Manchmal stolpert sie auch einfach drüber.

Und dann kommt so ein Moment, wie an der VGP, wo sie wie hingegossen steht, eine Augenweide. Perfekter Hund.

Aus Versehen?

Mit Absicht?

Ich weiss nicht.

Aber mit dem Bild vor Augen kann ich weitere fünfhundert oder so Meter hinter ihr herkeuchen, ohne dass ich zu sehr über ihr Tempo fluche. Tut auch fast gar nicht weh, die eiskalte Luft in der Lunge.

Über den Bergen liegen sie, die Schneewolken...

In Gedanken versunken rennen wir weiter, „acid drop“, jau.

Das gibt nochmal Schwung.

Ich schnalze und will sie antreiben... in dem Moment bleibt sie wie versteinert stehen. Verflucht.

Die Sache mit dem Vorstehen nimmt sie sich wirklich sehr zu Herzen.

Was mag sie da haben?

Freya springt ein und hat einen Igel in der Schnauze, den sie mir freudestrahlend vorsitzt. Ich wollte doch einfach nur einen gemütlichen Abendlauf machen.... und jetzt muss ich ihr das Mutterschiff aller Flöhe aus der Schnauze basteln, denn tue ich das innert der nächsten fünf Sekunden nicht, dann kümmert sie sich drum und das will ja nun auch niemand.

Hand drunter... Aus!  ...Autsch!!!

Schnell werfe ich den Igel ins Gras, los weiter.

Das letzte Lied in der heavy rotation meiner Playlist, bevor ich das Flutlicht des Reitplatzes neben meinem Wohnzimmer sehe, ist „Rock you like a hurrican“....

So fühle ich mich.

Heute Abend war mal wieder der unerbittliche Wirbelwind mit mir unterwegs.

Eure Alica


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