Jagen bei virtuellen Freunden

Leise rieselt der Schnee auf die Autobahn vor meinem Lenkrad, das Bärtchen schläft tief und fest auf der Rückbank.

Wie schon so manches Mal fahre ich in die Fremde.

Die Jägersleut, wo ich diesmal hinfahre, kenne ich nicht einmal flüchtig, sondern nur virtuell. Schon lange gab es den Kontakt und virtuell hats immer perfekt gepasst.


„Was machst du an diesem Wochenende?

Wir wollten eine kleine Jagd veranstalten, kommst du auch?“

Warum denn eigentlich nicht?

Meine bislang virtuelle Freundin hat sämtliche aller Bärtchenkatastrophen mitgekriegt, sie weiss also, worauf sie sich einlässt ... so hoffe ich wenigstens.

Dank dem Schnee auf Zürichs Autobahnen sehr viel später als gedacht, erreiche ich das kleine Nest „ennet der Grenze“.

Ein herzlicher Empfang..., wow! Das passt!

Die Wellenlänge, die sich virtuell abzeichnete, war auch im Leben 1 zu 1 sofort da.

Eine Fahrt in die Fremde?

> Eine Fahrt zu Freunden.

Bis spät in der Nacht haben wir am Esstisch erzählt und gelacht, bis die Augen fast zufielen. An Frau Bart wurde ebenso gedacht wie an mich, denn:

„Hunde sind auf dem Bett erlaubt!“

Ein bisschen nervös, schliesslich leben hier drei Greife, ein Weimaraner, ein Terrier, ein Dackel und viele weitere Tiere, kuschelte ich mich mit meinem Bärtchen ins Bett.

Die Jagd am nächsten Tag war ein Wintermärchen! Es war herrlich!

Eisekalt, mit vier Flinten und zwei Hunden ging es hinaus aufs Feld, die Freigabe war mehr als grosszügig! Und ich durfte mit meiner Freya arbeiten, mit jeder Minute legte sich meine Nervosität mehr, es wurde mehr und mehr das warme Gefühl des Bandes. Ich bin schier geplatzt, als sie die erste Ente brav apportiert hat!

Wie genial das Gefühl ist, wenn diese ganze Überei sich bezahlt macht!

Auch auf dem Feld war es herrlich! Erst zu weit, dann immer kürzer unter der Flinte suchte meine Trine, meine Eule, rechts, links, Handzeichen.

Wortlose Übereinkunft zwischen Hund und Frauchen.

Plötzlich der Ruf „Reh!!!“

Ich war aufs Schlimmste gefasst, da wir neben einer vielbefahrenen Schnellstrasse gejagt haben. Stossgebet, lass den Triller sitzen!

Ich brauchte ihn gar nicht! Rehe?

Uninteressant nach dem Pfiff. Wow!!!

Ich war völlig geflasht, glückselig, stolz.

Auch den Fasan, den sie aus der Hecke hochmachte, liess sie ziehen, ohne sich daneben zu benehmen.

Oh Frau Bart! Unsere erste Niederwildjagd und ich durfte nur staunen.

Es war ein deutsches Weihnachtswintermärchen für mich, nach anderthalb Tagen wollte ich kaum heimfahren. Ich hab sofort einen Narren an den Kindern gefressen, durfte das erste Mal in meinem Leben einen Turmfalken auf der Hand halten, die Hunde hätte ich ebenfalls direkt inklusiv der Kinder wegadoptieren können.

PS Bild: Kurz vorm Erfrieren auf dem abendlichen Rehansitz.... Ich hab vor lauter Glück und Spass vergessen mehr Bilder zu machen.


Es war ein Wochenende, das so viel Kraft gibt, wie drei Wochen Ferien, es war eine irre Jagd, die gerade, weil wir so eine kleine Gesellschaft waren, perfekt war.

Danke dafür!

Eure Alica


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