Silvester im Jägerhaushalt

„Schaaatz, was machen wir eigentlich Silvester?“

Keine Ahnung, ich bin ja nicht allwissend.

„Also wir könnten .... blablablalba...“

Den Rest hat der Herr schon gar nicht mehr gehört.


„Weisst du, ich dachte, wir könnten so schön romantisch ins Revier fahren.“

Ach, ja?

Echt?

Die Idee ist mal wirklich sehr ausgefallen!

„Romantisch auf dem Ansitz zusammen das Feuerwerk anschauen, ein bisschen mit den Hunden arbeiten und einfach ne nette Zeit haben.“

Eigentlich lieber nicht, ich nutze die Ferien schon noch gern zum Arbeiten und bin ein grosser Fan davon, das an meinem Schreibtisch zu tun.

„Wenn du arbeiten willst, dann kannst du das entweder in der Jagdhütte machen, oder ich fahr dich auf eine Kanzel! Du sagst doch immer, dass du so mobil und überall arbeiten kannst.“

Schachmatt.

Jaaaa, kann ich, aber in der Hütte...? Lieber nicht... dann doch lieber draussen.

Gesagt, getan...

eigentlich gar keine so dumme Idee, bis auf den Teil, als wir ankamen und gemerkt haben, dass es wahrscheinlich die letzten zillionen Tage geregnet hat, alles unter Wasser stand und uns eine Schlammschlacht vom Allerfeinsten blühen würde.

Aber nun sind wir schonmal da, da bleiben wir auch, geheult wird schliesslich nicht.

Die Hunde rasten jedes Mal schon aus, wenn wir auf den Weg zur Jagdhütte einbiegen - interne Wetten werden schon vor der Autobahnausfahrt abgeschlossen, wer zuerst anfängt zu heulen.

Wie immer gewinnt der Arschmaraner, unser dosenkickender Weimaraner, der im Kopf so oft  immer noch ein Jungspund mit viel Stroh ist.

Aber eben nicht immer.

Er hat sich wirklich zu einem guten Jagdhund gemausert diese Saison, so vielseitig und wunderbar einsetzbar, viel weniger aufgedreht, als meine Drahthaarhündin Freya und sehr, sehr führerbezogen ist er.

Er ist der Bedächtige, Langsame, sie ist der Pfeffer.

Beides hat Vor- und Nachteile.

Aber dieses Mal sollte er auch einmal seinen Auftritt bekommen:

„Lass uns doch dort hinten jagen gehen, wo so viele Füchse sitzen, vielleicht kriegen wir ja einen“.

Also los, von der grossen Idee, mich an meinen mobilen Schreibtisch zu fahren, war natürlich nicht mehr viel übrig.

Mit den Hunden jagen oder arbeiten?

Klarer Fall.

„Lass uns den Grauen nehmen, der ist genau richtig, da neben der Autobahnauffahrt.“

Da strahlt das Männle: „Ohne Frau Bart?“

Jaha, und frag nicht nochmal, sonst nehm ich sie mit.

Kreuz und quer geht es durch dieses wilde Gelände, er sucht wunderbar, aber an diesem kalten, windigen Tag ist kein Fuchs draussen unterwegs. Ganz zum Schluss, beim Zurücklaufen, springt noch ein Schmalreh vor uns auf und rennt ganz hektisch in Richtung Zaun davon.

Auf den Triller legt sich Virto nicht sofort ins Down, zu verführerisch ist das Reh vor seiner Nase, wir geben dem Tier die Chance das Weite zu suchen und sehen es einige Minuten später über das Feld davon-hüpfen.


Es war ein wirklich herrliches Wochenende, wo wir, trotz Schlammschlacht, viele tolle Bilder von uns und unseren Hunden machen konnten. Wir das Feuerwerk auf dem Hochsitz gemeinsam genossen haben, angestossen haben wir mit Kindersekt, denn die Gewehre hatten wir dabei, man weiss ja nie, Fuchs oder Sau kann immer kommen!

Im Nachhinein war es das erste Silvester, an dem ich mich nicht aufgetakelt habe, an dem ich im Schlafsack neben meinem Freund still die Nacht genossen habe.

Ich wünsche mir, dass das Jahr so weitergeht, wie es angefangen hat.

Mit guter Hundearbeit, Jagd mit Freunden, stillem Ansitz, grossem Staunen.

Die Gespräche mit unseren Bauern haben gezeigt, dass das sicher etwas werden wird, denn dieses Feldrevier, das mittlerweile auch für uns ein zu Hause ist, wird im Sommer wieder alle Aufmerksamkeit und Manpower fordern, damit die Bauern weiterhin gute Ernten einfahren können.

Derzeit geniessen wir die ruhige Zeit, wo man nicht nächtelang an den Feldern pirschen muss, um die Schwarzkittel davon abzuhalten, diese umzudrehen.

In diesem Sinne ein frohes neues Jahr, Waidmannsheil!

Eure Alica


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