Die beste Jagd im Jahr?

"Du musst unbedingt dorthin kommen! Das ist die beste Jagd im Jahr!“, wenn meine Freundin Daniela so euphorisch wird, sie, die so erfahren ist und eigentlich eine durch und durch ruhige Persönlichkeit, dann wird das ein echtes jagdliches Top-Ereignis.


Bei einer kleineren Jagd im Schwarzwald hatte ich bereits den Verantwortlichen für die Jagd kennengelernt, der mich direkt mit eingeladen hat. Ich bin eigentlich eher der Typ für kleine, feine Jagden.

„Da geht richtig was! Sauen satt!“

Ok, da lassen wir uns echt nicht zweimal bitten...

Mal wieder viel zu früh die Pferde gesattelt, nachdem ich wirklich schlecht geschlafen habe. Ich gebe es offen zu, auch nach der X-ten Jagd diese Saison, sorge ich mich doch jedes Mal um meine Hunde.

Die Jagd würde ich ihnen nie verbieten wollen, aber trotzdem mache ich mir Gedanken, schliesslich sind sie auch unsere Alltagsbegleiter und treusten Freunde.

Schon der Empfang für uns Hundeführer war eindrücklich, wenn man weiss, dass da über hundert Hunde laufen werden... und sich dann die zugehörigen Hundeführer vorstellt, da ging schon was.

Ich war jedenfalls komplett überwältigt, sowas hab ich noch nie gesehen, noch nie erlebt!
Der Rest war etwas disziplinierter, etwas klarer als auf den kleineren Jagden, wo ich sonst unterwegs bin. Eindeutig, da sind echte Profis am Werk.

Unser schlussendlich doch kleines Trüppchen bekam einen Trieb in der Mitte des zu bejagenden Reviers zugeteilt, ich war noch nie so nervös beim Anziehen der Hunde.

Kontrolle... ist das gesamte Erste-Hilfe-Paket dabei?

Die Hunde spüren natürlich meine Nervosität, dementsprechend war Theater an der Leine bis zum Schnallen. Und dann....

passierte erstmal gar nichts.

Es wird eben auch auf solchen Jagden nur mit Wasser gekocht.

Nur die Anzahl der Schüsse um uns herum erinnerte an einen gut geführten Stellungskrieg.

Holla die Waldfee!

Der Trieb war toll!

Ich bin sowieso gern mit Daniela und ihrer Corona unterwegs, ausserdem war auch der beste Mann an meiner Seite dabei.

Immer wieder liefen Sauen an uns vorbei...

die Hunden jagten...

es war Jagd, wie es sein muss!

Der Rest der Treiber war ein paar Meter vor mir, als es laut von der Lichtung hallte:

„Hier stirbt gerade ein Drahthaar!“

Zur Hölle!!!!!

So schnell war ich noch nie, die Beine wie Butter - Freya war gerade zuvor genau in diese Richtung gerannt! Nicht meine Eule!

Nicht mein Bart!

Tausend Gedanken und schon Tränen in den Augen.

Vor mir lag ein krampfender, schwarzer Drahthaar, nach einigen Millisekunden hab ich verstanden, dass das nicht meine Freya war.

Offensichtlich war der Hund schwerst unterzuckert, kein Augenrollen, erst noch ansprechbar und dann ohnmächtig.

In meinem Erste Hilfe Set findet sich Jubin... eine Zuckerlösung.

Den Hund damit versorgt, einige Sekunden später lösten sich die Krämpfe, wenige Minuten stand der stattliche Drahthaar wieder. Ihn gleich angeleint, so ein Hund läuft nicht weiter!

Der braucht jetzt Ruhe, Futter und Wasser.

Nach der Aufregung musste ich kurz mein Bärtchen durchknuddeln, Lotte war in dem Trieb zwar kurz zur Lebendkontrolle vorbeigestolpert (Scherz, um einen Käsewürfel zu stibitzen), war bei der Episode aber nicht dabei.

Bis hierhin war mein Schrittzähler schon ganz zufrieden mit mir....

Aber wenn man schon zehn Topnachsuchengespanne auf Platz hat, dann darf man sich als Hundeführer auf keinen Fall entgehen lassen, einen dieser Superspezialisten bei seiner Arbeit zu begleiten.

Doch das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt wird.

Schlussendlich habe ich 21'000 Schritte auf der Uhr, es war ein irrer Tag!

Es liegen unglaubliche 120 Sauen und einige Füchse dazu...

Waidmannsheil!

Eure Alica


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