Testbericht Xeye E2n, E3 Max und CL42

Hin und wieder werden wir vom Jagdblog auch für Produkttests angefragt. Und diesen fanden wir besonders spannend, da wir alle mit Wärmebildgeräten jagen und diese Technik auch als extrem sinnvoll empfinden.

Dieser Test war dazu gedacht, Kundenmeinungen einzuholen, daher konnten wir die Geräte nur einige Wochen testen.

 

Die Tests haben wir unentgeltlich durchgeführt.

Xeye E2n, E3 Max und CL42 wie verschickt
Xeye E2n, E3 Max und CL42 wie verschickt

Was bereits vor dem Test auffiel war, dass die Firma Emitec Messtechnik AG mit der Sektion "emitec industrial" nicht nur Wärmebild-Kameras für jagdliche Zwecke vertreibt, sondern insbesondere Kameras für die Bau- & Elektrothermografie sowie Überwachungskameras im Angebot hat.

Alle Kameras und Anwendungen verkauft sie als FLIR Platinum Partner. Es werden Wärmebildgeräte der Marken Infrared, Guided Infrared und FLIR Systems importiert und über den Fachhandel angeboten.

Vergleich Keiler 35 Pro und Xeye E3 Max
Vergleich Keiler 35 Pro und Xeye E3 Max

Bereits beim Eintreffen der Kameras war klar, dass wir mindestens zwei alte Bekannte vor uns haben, denn testen durften wir die Modelle: 

XEye E3 Max, Preis CHF 2'399.–

Xeye CL42, Preis CHF 3'899.–

sowie die Xeye Thermal E2n für CHF 1'099.–.

Das erstgenannte Gerät und das letztgenannte Gerät sind unserer Meinung nach fast baugleich mit den Liemke Geräten Keiler 35 Pro und Keiler 13 Pro. Da würde natürlich der direkte Vergleich spannend werden. Tatsächlich ist der Vorgänger der E3 Max, die E3 Pro, von der Bauweise her identisch mit jenen Geräte von Keiler.

Wir trafen uns also zunächst zu dritt mit allen verfügbaren Wärmebild-Kameras, um ausgiebig vergleichen zu können. Anschliessend sollten sie sich im jagdlichen Einsatz bewähren.

Xeye E2n
Xeye E2n

Gleich zu Beginn fiel uns bei der günstigsten der Kamera, der Xeye Thermal E2n, die hellgraue Plastikverschalung ins Auge, bei der wir bei hellerem Mondschein befürchteten, dass sie zu auffällig ist. Dafür hält ihr Objektivdeckel sehr viel besser, als bei der XEye E3 Max, bei der der Deckel ständig runterklappt, was wirklich störend ist. Deren Linse ist somit nur schlecht gegen Staub und Schmutz und allfällige Kratzer beim Transport geschützt. Dem gegenüber ist bei der Xeye CL42 ein Plastikdeckel mit Scharnier vor der Linse angebracht, der sich praktisch öffnen und schliessen lässt und besten Schutz garantiert.

Alle drei Geräte liegen mit ihrer handlichen Grösse sehr angenehm in der Hand uns lassen sich gut einhändig bedienen. Die Augenschalen der XEye E3Max sowie der Xeye CL42 liegen sehr angenehm elastisch auf dem Auge. Die Kameras wirken stabil und für den Ausseneinsatz gut geeignet.

Nach den ersten äusseren optischen Eindrücken waren dann die inneren Werte der Kameras gefragt.

Batteriefach Xeye CL42
Batteriefach Xeye CL42

Alle drei Kameras sind nach dem Einschalten sehr schnell betriebsbereit und kalibrieren angenehm leise.    

Überraschenderweise bevorzugten wir vom Schweizer Jagdblog im ersten Moment bei den beiden günstigeren Geräten die mit CHF 1'099.– billige Wärmebildkamera Xeye Thermal E2n. Aus unserer Sicht verfügte sie zwar über das kleinere Ausgabebild, dafür aber über eine bessere Auflösung und einen angenehmen Kontrast.

Demgegenüber war uns das Bild der XEye E3 Max zu pixelig und der Kontrast zu hart eingestellt, weshalb uns das Bild nicht harmonisch erschien. Das Bild der fast baugleichen Liemke Keiler 35 Pro wurde subjektiv als besser empfunden. Dessen Bild entspricht auch exakt jenem des Vorgängermodells der Xeye E3 Pro. Bei Beiden ist jedoch trotz der feineren Auflösung der Bildschirm kleiner als bei der neuen E3 Max. Diese verfügt technisch über die gleichen Sensoren, dafür aber über einen 4-mal grösseren Bildschirm.  Dadurch erscheinen die Bilder körniger als beim Vorgängermodell und den baugleichen Keiler-Geräten. Letztlich ist dies Sache der persönlichen Vorliebe. Bei anderen Testern aus unserem Bekanntenkreis gab es unterschiedliche Meinungen.

Beide Geräte verfügen über vier einstellbare Helligkeitsstufen, was aus unserer Sicht und im Vergleich zu Pulsar zu wenig ist. Ausserdem lässt sich der Kontrast selber nicht verstellen. Dafür verfügen sie über ein praktisches Drehrad, mit dem die Sehschärfe einfach und schnell verstellt werden kann. Mit der Programmtaste stehen bei beiden die jagdlich üblichen Varianten White Hot und Black Hot sowie noch einige weitere Thermografien zur Verfügung. Mit beiden Geräten sind grosse Entdeckungsdistanzen (Erkennung) möglich. Bei der E2n können bis etwa 500 Meter und bei der E3 Max bis etwa 1000 Meter problemlos Tiere ausgemacht werden. Um jedoch eine sichere grobe Zuordnung auf Reh, Sau, Rind, Pferd oder Schaf machen zu können, muss man definitiv näher ran.

Im jagdlichen Einsatz wurde rasch aufgezeigt, dass sich die günstige Xeye E2n sehr gut für den Ansitz und die Kirrung eignet, wohingegen man für die Pirsch und den damit verbundenen notwendigen grösseren Entdeckungsdistanzen der E3 Max den Vorzug geben sollte. Trotz unserer ersten Eindrücke bewährte sich die Wärmebildkamera E3 Max im jagdlichen Gebrauch ausgezeichnet. Auch der grössere Bildschirm zeigt sich hier für das Auge als sehr angenehm. Nur mit der E2n wären uns auf grosse Distanzen von über 500 Meter wegen der zu kleinen Bildanzeige viele Wildtiere entgangen.

Im Jagdeinsatz fällt bei allen drei Geräten störend auf, dass in der Originalverpackung keine brauchbaren Riemen oder Tragegurte verfügbar sind, mit denen man sich die Geräte jagdgerecht umhängen könnte. Das heisst vor allem geräuschlos! Ein nicht zu vernachlässigender Punkt bei der Pirschjagd aber auch beim Ansitz! Dies ist besonders beim einzig beiliegenden Tragegurt des günstigsten Gerätes, der Xeye E2n, nicht gegeben... das Teil klappert für das Ohr des Jägers als gebe es kein morgen und führt zu eng um den Halsbereich. Die Geräte müssten also immer umständlich in einer Jackentasche verstaut werden, oder aber man muss Geld in die Hand nehmen und zusätzlich einen Riemen kaufen. Besonders bei den hochpreisigen Modellen ist dies bedauerlich.

Vergleich Zielgerät Pulsar Trail XQ50 und Xeye CL42
Vergleich Zielgerät Pulsar Trail XQ50 und Xeye CL42

Die dritte und teuerste Wärmebildkamera, die Xeye CL42 spielt im Vergleich zu den anderen beiden Geräten in einer eigenen Liga. Als

Dual-Purpose-Gerät kann man es ebenfalls als Clip-On-Vorsatzgerät für das Zielfernrohr nutzen. Beim Kauf ist ein Vergrösserungsring für das Zielfernrohr (eine Kolimatorlinse) inklusive, stand uns aber für den Test nicht zur Verfügung. Für die Nutzung als Vorsatzgerät ist vom Kanton eine Spezialbewilligung nötig.

Das Gerät ist unglaublich klein - was jedoch als Vorsatzgerät unabdingbar ist - und intuitiv zu handhaben. Die Bedienung ist sehr einfach, denn sie verfügt auf der Oberseite lediglich über drei Knöpfe, wobei eines zum Ein- und Ausschalten dient. Das dritte dient zur manuellen Kalibrierung. Mit dem Mittleren gelangt man in das Menu, von wo aus neben den zwei Vergrösserungsstufen die verschiedenen Bildprogaramme (wie black hot und white hot) oder die Bildhelligkeit angewählt werden können.

Als reines Beobachtungsgerät getestet ist es phantastisch. Man hat das Gefühl, dass man auf eine Kinoleinwand schaut. Dafür verfügt sie im Gegensatz zu den beiden anderen Geräten nicht über einen internen Akku, sondern wird mit Batterien betrieben. Vorzugsweise mit wieder aufladbaren CR16340 oder den stärkeren CR123 Batterien. Alternativ könnte über den USB-C Anschluss ein handelsüblicher Powerbank 5VDC angeschlossen werden.

Der Batteriewechsel könnte mit der Zeit nervig werden, aber das Aufladen/Nachladen der Geräte wird unserer Meinung nach noch länger ein Knackpunkt bleiben. Ob man nun nachts bei längeren Einsätzen über drei Stunden die Batterien tauscht, oder eine Powerbank anhängt, ist eine Frage der Präferenz. Wir haben lange darüber diskutiert und gemerkt, dass es eine ganz subjektive Entscheidung ist. Ob man das Gerät, Bewilligung vorausgesetzt, auch als Vorsatzgerät nutzen möchte, oder lieber gleich auf ein Wärmebild-Zielfernrohr setzt, ist ebenfalls Geschmackssache.

Xeye E2n seitlich
Xeye E2n seitlich

Es ist schwierig eine Empfehlung für die einzelnen Geräte abzugeben, da die Beurteilung vom Einsatzgebiet und der persönlichen Favorisierung abhängt. Wir sind jedoch der Meinung, dass sich die günstige E2n hervorragend für Ansitzjäger oder die Kirrung eignet.

Das Preis-/Leistungsverhältnis ist hier top und die beiden anderen Geräte wären alleine hierfür definitiv zu schade und zu teuer. Dafür eignet sich die Xeye E3 Max mit ihrer grossen Entdeckungsdistanz und ihrer Handlichkeit ausgezeichnet für die Pirschjagd und hat sich hier in der Jagdpraxis sehr bewährt. Möchte man jedoch das Gerät nicht nur zum Beobachten, sondern ebenso als Vorsatzgerät nutzen, dann liegt die Xeye CL42 qualitativ weit vorne.

 

Wir bedanken uns bei der Firma Emitec Messtechnik AG, dass wir diese tollen Geräte testen durften. Diese und weitere Produkte können auf deren Homepage www.thermocam.ch besichtigt werden.

Für weiterführende Fragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.