Sauen!

Es ist Mitternacht und ich komme gerade von einem weiteren Ansitz zurück.

Heute war ich auf der Jagd, weil ich bereits gestern unterwegs war und dabei Anblick auf Sauen hatte!!

Ja, ihr lest richtig... ich hatte Anblick auf Sauen...

Und zwar hatte ich mich gestern mit dem Jagdkameraden zur Jagd verabredet, mit dem ich mich mittlerweile bereits einige Male zusammen auf der Jagd war. Ein sehr passionierter und ambitionierter Jäger, von dem ich schon einiges lernen durfte.

Wieder waren die Schwarzröcke bei uns im Revier zu Gast und hatten auf einigen Wiesen gebrochen, weshalb wir einen Bauernhof in der Nähe der Schadensplätze als Treffpunkt vereinbarten. Da ich zu früh war, stand ich zu einigen nahen Obstbäumen und spiegelte die Gegend ab.

Nicht lange und ich sah einen Dachs, vielleicht war es auch eine Fähe, auf mich zukommen, der in der Wiese grub und stach und gelegentlich kurz markierte. Er kam mit dem Wind direkt auf mich zu und bemerkte mich nicht im Geringsten. Er war so beschäftigt mit sich und der Wiese, dass er meiner erst Gewahr wurde, als er weniger als einen Meter vor mir stand!

Ihr könnt euch vorstellen, wie gross seine Überraschung war! 

Doch er flüchtete keine 10 Meter, blieb stehen, drehte sich wieder um und kam erneut auf mich zu...

Und nochmals... erst einen Meter vor mir bemerkte er mich und flüchtete erneut... doch diesmal hatte er die Schnauze wohl gestrichen voll und machte sich definitiv vom Acker. Ha!

Welch lustiges und spannendes Erlebnis!!

Kurz darauf war der Kamerad eingetroffen und wir machten uns auf den Weg zu unseren unterschiedlichen Ansitzen, änderten jedoch auf Grund der nicht passenden Windrichtung unsere ursprünglichen Ansitzpläne.

Ich fuhr zu einer passenden Stelle, liess das Auto zusammen mit meiner Hündin zurück und machte mich zu Fuss auf die Pirschstrecke zum Ansitz.

Jeder sollte mal versuchen auf einem steinigen Feldweg geräuschlos vorwärts zu kommen!

Ach, es ist ein Ärgernis... ständig scheint man einen Stein weg zu stossen oder zu weg zu spicken... ein Geknorze und Geknirsche ist das!! Man kommt sich vor, als würde man mit einem Bulldozer durch den Wald fahren!

Ich kann richtig hören, wie sich das Wild über meine lächerlichen Bemühungen "leise" zu sein, lustig macht...

Weiss hier jemand Rat? Wie kann man geräuschlos auf solchen Wegen und generell pirschen?

Soll man wirklich wie der Max Götzfried Hose und Schuhe ausziehen?

Nun denn, das mit dem auf Socken pirschen, muss ich mal ausprobieren...

Jedenfalls kam ich am Zielort an und richtete mich ein: Dreibein aufgestellt und Gewehrgurt vom Gewehr abgenommen sowie die provisorische Sonnenblende auf dem Zielfernrohr nochmals kontrolliert.

Es dauerte nicht lange und ich hörte es im Wald knacken. Ist ein Ast runtergefallen? Oder kommt da was?

Und da! Ich sehe zwei Wildschweine!!

Sie sind noch im Wald und teilweise verdeckt, aber es müssen Wildschweine sein...

Mein Herz fängt unmittelbar an zu rasen und das Adrenalin durchschiesst meinen Körper!! Sogleich zittern meine Hände... ich kann kaum die Wärmebildkamera ruhig halten, so aufgeregt bin ich gerade! Man könnte meinen, es sind die ersten Sauen, die ich auf der Jagd erblicke.. Tssss... und *Kopfschütteln*...

Eine Schussabgabe wäre in diesem Moment undenkbar!

Die Sauen ziehen in meine Richtung, bleiben aber in einem Dickicht und sind auf einem Boden über mir nicht mehr sichtbar. Doch da tritt eine Sau hervor... hinter ihr sehe ich noch weitere weisse Punkte... sind da noch mehr? 

Bevor ich überhaupt das Gewehr in Position bringen könnte, hat sich das Wildschein wieder in das Dickicht verzogen und ich höre nur noch das Brechen der Sauen. Aber ein Schuss hätte sich vorderhand sowieso verboten, da ich zuerst einmal einen Gesamtüberblick über alle vorhandenen Wildschweine der Rotte haben muss.

Während ich nun darauf warte erneut Anblick zu haben, beruhigt sich mein Puls zusehend, legt sich meine unmittelbare Aufregung und die Hände zittern nicht mehr... so, ich wär dann so weit!

Einige Male sehe ich noch die Rücken oder die Köpfe einzelner Stücke, jedoch auf die freie Fläche der Wiese kommen sie nicht. Auf einmal höre ich mehrmaliges Knacken im Wald und ohne die Wildschweine nochmals zu erblicken, sind sie auch schon weg!

Wie sich später herausstellt, sind sie in Richtung einer Suhle, die sich einige hundert Meter in ungefährer gerader Luftlinie über uns befindet, weggezogen. Da sie mich wohl nicht bemerkt haben und der Wind grundsätzlich in die richtige Richtung blies, beschliesse ich am nächsten Abend wieder mein Glück zu versuchen.

Doch leider tun Wildschweine selten das, was man von ihnen erwarten möchte... und so hatte ich heute keinen Anblick.

Aber wer diesen Bericht bereits gelesen hat, der weiss, dass manchmal viele, viele Stunden und ebensoviel Geduld nötig sind, um eine Wildsau erfolgreich auf die Strecke legen zu können.

Übrigens habe ich auf dem Weg zum Ansitz auf der Strasse einen Mann mit Taschenlampe und Eimer gesehen, der die Strasse entlang lief und sich immer wieder bückte und etwas aufhob und in besagten Eimer legte... ich wusste zunächst nicht was das soll, aber kurz darauf war es mir klar...

Passt auf, den die Frösche sind momentan unterwegs!! Abends sind die Strassen voll von ihnen!

Finde ich toll, dass der mir unbekannte Herr diese Aufgabe auf sich nimmt und seine Zeit zur Rettung der Frösche investiert... Hut ab!

Also fahrt langsam und weicht den Fröschen nach Möglichkeit aus!

Waidmannsheil, der Waldläufer

  

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