Waidmannsheil, der Sommerbock liegt...

Gestern Abend konnte ich um Punkt 21.00 Uhr nach einer spannenden und nervenaufreibenden Pirsch meinen diesjährigen Sommerbock erlegen!! Er lag gleich im Knall und wurde im Schulterbereich etwas vor dem Blatt getroffen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich den Rehbock zunächst gar nicht erlegen wollte, sondern nur einiger guter Bilder wegen und zum näheren Beobachten mit dem festgezurrten Gewehr auf dem Rücken angepirscht habe.

Den Bock bemerkte ich schon von weitem mit meinem Fernglas und konnte dann nach einer ersten Annäherung aus 220 Metern nebenstehendes Filmchen aufnehmen. Die Aufnahme zeigt den Bock etwa eine Stunde vor der Erlegung.


Die Entfernung von 220 Metern habe ich mit meinem Distanz-Messgerät, das ich grundsätzlich auf jeder Jagd immer am Gürtel bei mir trage, genau bestimmen können.

Ich vermutete zunächst mal, dass es sich um den selben Bock handelte, den ich einige Tage zuvor im Bericht "Jagd mit der Kamera" bereits fotografisch festhalten konnte. Jedoch war jener Rehbock von der Fellfärbung her doch einiges grauer.

Zunächst pirschte ich dem im Schatten liegenden Waldrand entlang um dann schräg den Hang in Richtung Rehbock hoch zu stechen.


Ein Kirschbaum, der zwischen mir und dem Rehbock stand, half mir dabei. Den Wind brauchte ich in diesem Moment nicht zu fürchten, denn mit meinem Feuerzeug konnte ich feststellen, dass dieser, in Blickrichtung zum Rehbock, in schwacher Stärke etwas schräg von rechts oben her blies.

Als ich dann nach einem kleinen Bächlein und über eine kleine Kuppe auf etwa 100 Meter heran war, sah ich den Rehbock immer noch am Waldrande stehen. In diesem Moment hustete er leicht, reckte den Kopf etwas nach vorne und öffnete den Äser, als würde er würgen wollen.

Dies stimmte mich nachdenklich... die Vermutung lag nahe, dass der Rehbock von den Larven der Rachenbremse befallen war.

Ich pirschte weiter etwa 40 Meter nach vorne und überblickte nun den Teil der Wiese, wo der Bock kurz zuvor noch gestanden hatte...

Weg war er!!!

Hatte er mich eräugt, meine Schritte vernommen?

Ich blieb noch einen Moment in der Hocke am Boden und atmete nach der Anstrengung tief durch... hatte ich wieder mal eine Pirsch vermasselt?

Es blieb noch eine leichte Hoffnung, dass er vielleicht weiter oben wieder austreten würde. Also leise nach rechts zurück und um eine nahe stehende alte Scheune herum auf den Weg hoch. Dann langsam nach links den Weg entlang weiter Richtung Wald...

und siehe da!

Da sah ich doch das Gehörn!? Nur etwa 40 Meter weiter oben als vorhin... ich gleich langsam in die Hocke, das hohe Gras deckte mich recht gut.

Den Weg durfte ich nun keinesfalls weitergehen, denn der Wind hätte mich ansonsten gleich verraten. Also etwa 70 Meter vom Waldrand entfernt wieder parallel zum Waldrand runter in die Wiese rein, immer das aus dem hohen Gras heraus ragende Gehörn des Rehbockes im Auge behaltend.

Als der Bock dann äsend schräg nach rechts zum Wald hin weg zog, konnte ich fürs erste nur sein Haupt sehen. Der Bock blieb immer wieder stehen, streckte seinen Kopf und öffnete wieder seinen Äser. Er schien Schwierigkeiten beim Schlucken zu haben!

Da fiel die Entscheidung... ich stellte den Tripod von Primos Trigger Stick auf, nestelte leise meine Blaser R8 vom Rücken und legte mit dem Gewehr an. Dank dem Tripod konnte ich problemlos leise die richtige Höhe einstellen sowie ohne grosse Anstrengung ruhig das Absehen auf dem Bock halten und diesem langsam in seiner Bewegung folgen.

Der Rehbock kam immer weiter zum Vorschein und als er mir auf etwa 60 Metern sein Blatt zeigte, zielte ich auf seine Schulter kurz vor dem Blatt und liess die Kugel fliegen.


Es war für mich im Nachhinein erstaunlich, wie ruhig ich in jenen Momenten kurz vor dem Fliegen lassen der Kugel gewesen bin. Erst nach dem Durchrepetieren und mit dem Abwarten, denn ich konnte den Bock zunächst nicht mehr sehen, kam die Aufregung und meine Hände begannen zu zittern. Wahrscheinlich hatte ich im Moment des Schusses durch die anstrengende und spannende Pirsch zuvor bereits einen hohen Adrenalinspiegel.

Nach einigen Minuten ging ich für alle Fälle mit vorgehaltenen und entsicherten Gewehr in Richtung des Anschusses. Da lag der Rehbock... er war im Knall und ohne zu klagen gleich an Ort und Stelle nieder gegangen und hatte sich nicht mehr gerührt. Gross war da die Freude und die Erleichterung! Bevor ich die beiden obigen Bilder aufnahm, die im übrigen die ersten Bilder meiner erlegten "Beute" überhaupt sind, erhielt der Rehbock zur Ehrbezeugung als "letzten Bissen" einen Tannenzweig.

Der Verdacht auf Rachenbremsen bestätigte sich schliesslich beim Aufbrechen wie das nebenstehende Bild zeigt. Bei der Aufnahme waren viele der Larven bereits runtergefallen.

Schaut man sich die obige Film-Aufnahme nochmals an, so fällt gleich zu Beginn eine Schluckbewegung beim Rehbock auf, die ihm scheinbar Mühe bereitet.

Ich bin froh, dass ich den Bock in einem noch frühen Stadium des Befalls erlegen konnte. Er hätte sicherlich mit fortschreitender Dauer immer mehr gelitten, wäre stark abgekommen und schliesslich wohl unter grossem Leiden eingegangen.

Das Qualität des Wildbrets wird von den Rachenbremsen ja nicht beeinflusst, so dass dieses ohne Bedenken genossen werden kann.


Da jedoch das Allgemeinbefinden des befallenen Stückes massiv beeinträchtigt wird, kommt es zu einem Gewichtsverlust, was letztlich halt doch zu einer Wildbretminderung des betroffenen Rehwildes führt.

Rechts habe ich noch eine Detailaufnahme der Larven der Rachenbremsen zur Ansicht reingestellt. Die Grösse einer einzelnen Larve betrug gute 2 bis 2.5 cm!!

(Aus dem aktuellen Anlass heraus habe ich auf der Seite der Wildkrankheiten den Artikel zur Rachenbremsenlarve mit näheren Informationen zu diesen Parasiten eingefügt!)


Da noch ein weiterer Jagdkamerad eine halbe Stunde später ebenfalls einen Rehbock erlegen konnte, versorgten wir unsere Stücke gemeinsam und stiessen anschliessend bei einem kleinen Umtrunk auf die erfolgreiche Erlegung unserer Rehböcke an.

Am Tage vorher war im Revier Erschwil der erste Sommerbock dieses Jahres von einem weiteren Jagdgast glücklich erlegt worden, so dass nun drei Rehböcke zur Reifung im Kühler hängen! Alle drei Böcke fanden bereits ihre Abnehmer, weswegen ich auf meiner Seite zum Verkauf des Wildbrets keine Ergänzungen machen kann. Wie ich gehört habe, nimmt das örtliche Gasthof "Zum weissen Rössli" in diesem Jahr sicher  mindestens zehn unserer Sommerböcke!

Es ist toll und sehr erfreulich, dass wir Jäger von den Betreibern des Wirtshauses in diesem grossen Ausmass unterstützt werden und ihre Gäste sich an unserem gesunden Wildbret erfreuen können.

Allen viel Waidmannsheil und schönen Anblick, der Waldläufer

  

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