Fehlschuss auf ein Wildschwein

Ab und zu ist man auch zu später Stunde noch hellwach. So geht es mir jedenfalls...

Und was tut man da als Jäger?

Genau, man packt seine Ausrüstung sowie das Gewehr und geht raus.

Am besten auf Sauen...

So geschehen in der Nacht von Sonntag auf Montag, den 20. November.

Bei uns in der Schweiz ist ja am Sonntag die Jagd grundsätzlich verboten... das heisst bis genau um 0.00 Uhr.

Also ging ich um 23.45 Uhr raus... wird ja wohl nix passieren in der Viertelstunde?

Bereits der erste Scan mit der Wärmebildkamera zeigte mir einige enge helle Punkte unterhalb des Bauernhofs im Bachmatt an... hmmm... könnten Sauen sein! 

Wind gecheckt... wenn ich von links die "weissen Punkte" angehe und die Windrichtung nicht wechselt, könnte es passen.

Den Feldweg hoch, das Auto abgestellt, das Gewehr geschultert, geht es langsam ab in die ermittelte Richtung.

Ich gehe neben dem Feldweg auf dem Rasen lang und checke alle paar Schritte die Umgebung... links zwei Schafe, die mich kritisch beobachten... rechts eine Gruppe Kühe... ein Fuchs schnürt vor mir über das Feld... ein Hase liegt weiter vorne in Deckung... Ach, herrlich!

Da sehe ich auch ganz weit vorne eine Gruppe Tiere ziehen... hmm... sehen mir sehr nach Wildschweine aus!

Immer näher komme ich ihnen... boah, jetzt ist es ganz klar! Definitiv Sauen!

Doch vier Stück ziehen nach links weg, verschwinden hinter einer Bodenwelle... ein Stück steht jetzt alleine auf dem Feld... plötzlich bin ich unsicher... ist es allenfalls ein Fuchs, der vor den Sauen gewichen ist?

Leider sehe ich es nur von Vorne... es sucht am Boden wie ein Fuchs... also gehe ich über das Feld langsam weiter... der Boden wird schwer... meine Schuhsohlen versinken zu stark... geben leise schmatzende Geräusche von sich... Oh, Mist! Soll ich wie der Max Götzfried meine Schuhe ausziehen?? (den finde ich nebenbei gesagt einen coolen Typen... und die Alica schwärmt ja von ihm in den höchsten Tönen!! Seine Pirsch-Kurse sollen ja der Hammer sein!)

Aber nein, ich lasse die Schuhe an... und gehe weiter.

Ich konzentriere mich mehr nach links, wo die vier Sauen stehen sollten... checke jedoch immer wieder den "Fuchs"... der dreht sich nun nach links und... oh shit! Das ist doch ein Wildschwein! Ganz klar erkenne ich nun die Silhouette, unverkennbar das Gebrech!

Und schon geht der Puls hoch... der Atem wird schneller...

Hei, Alter... bleib ruhig!

Ich nehme das Gewehr von der Schulter und möchte mich bereit machen, aber die Sau fühlt sich scheinbar gerade ziemlich einsam und vermisst seine Kumpanen... im schnellen Trott zieht es ebenfalls nach links und verschwindet.

Ok, weiter geht es... das Gewehr diesmal gleich zur Hand, was die Bedienung der Kamera mit einer Hand einiges schwieriger werden lässt. Und da sehe ich sie... sie sind alle um ein paar Obstbäume herum verteilt... etwa zehn Stück zähle ich. 

Der Wind passt noch immer... langsam versuch ich näher und näher zu kommen... die Sauen ziehen langsam hin und her... auf dem Feld ganz links und noch näher zum Hof, nehme ich jetzt auch sieben Rehe war... im Vergleich heben sich die Wildschweine deutlich hervor!

Nun folgt leider eine Dummheit... eine Fehleinschätzung meinerseits!

Wieder habe ich etwas gelernt, was so nie wieder geschehen soll!

Entweder hat die Leitbache mich bemerkt, oder sie wollten einen anderen gedeckten Tisch aufsuchen... denn sie verlassen die Obstbäume und ziehen langsam nach rechts weg. Ich fühle mich dadurch unter Druck, möchte die "Chance" auf Jagderfolg wahrnehmen...

Ich lege mit dem Gewehr auf ein Wildschwein an... leuchte mit dem Grünlicht... und sehe nichts!

Zu weit weg sind sie!! Und was mache ich Dödel? Ich drehe die Vergrösserung am Zielfernrohr von 4 auf 12!

Haben die Sauen auf das Licht reagiert? Nein, sie ziehen immer noch langsam nach rechts.

Wieder ziele ich auf ein Stück... leuchte und klar sehe ich nun den Frischling/Überläufer.

Leider drücke ich auch ab...

Die Wärmebild-Kamera zeigt mir die Rotte, wie sie nach rechts wegspringt... sie bleibt kurz stehen, winkelt dann schwach nach links und springt ein gutes Stück weiter, bleibt wieder stehen und alle zusammen ziehen dann schnell ganz nach links in den weit entfernten Wald. Also gefehlt!

Im Nachhinein kein Wunder... bei den Verhältnissen hat ein Schuss auf eine geschätzte Distanz von etwas über 100 Metern einfach zu unterbleiben! Besser die Rotte laufen lassen... zuerst versuchen näher ranzukommen...

Nach der tollen Drückjagd im Thurgau und unserer Drückjagd vom Samstag ein herber Dämpfer!

Warum erzähle ich von meinem Misserfolg?

Weil ich Jungjägern und anderen Jagdkameraden diese Erfahrung ersparen möchte...

Weil wir Jäger Menschen und keine Maschinen sind...

Weil auch Misserfolge zur Jagd gehören...

Weil man aus Misserfolgen für die Zukunft lernt...

Waidmannsheil, ein Waldläufer


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