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Und hier ist... die Werbung :)

Es mögen sich ja einige Zeitgenossen der Jagd darüber aufregen, dass es junge Mädels wie mich und einige andere gibt, die für ihr Leben gern ihre Jagderlebnisse teilen. Dem ein oder anderen mag aufgegangen sein, dass ich das nicht mehr so intensiv mache, wie früher, aber die ein oder andere Begebenheit möchte ich hier doch erzählen. Es ist ja nicht nur so, dass ich den ganzen Tag im www unterwegs bin, nein. Ich bin nebenbei auch Lehrerin an einer Dorfschule und versuche die Jagd immer wieder in meinen Arbeitsalltag einzubinden, ich bin offen und transparent mit meinen Schülern, was dazu führt, dass ich Montags als allererstes von 19 Kindern bestürmt werde: "Frau Junker, was haben Sie am Wochenende erlebt?" Ich erzähle dann ein paar Minuten darüber, was ich so gemacht habe, warum und wie und so weiter. Da wir unsere Klassenfahrten im Winter machen, mussten unsere Kinder darüber abstimmen, was sie im Sommer in der Projektwoche machen wollen. 53% aller Kinder wünschten sich darin, dass sie einmal mit Frau Junker zur Jagd gehen dürfen. Ok. Ich war da doch einigermassen überwältigt und gerührt. Also plane ich generalstabsmässig eine Projektwoche für meine Kiddies.

Da ich ebenfalls mit meinen Teenies das Fach Holzwerken betreibe, haben sich meine Kinder gewünscht, dass wir etwas praktisches für unser Revier bauen können. Ich fand das süss, denn eigentlich bauen wir dort immer so Dinge, die die Mamas dann irgendwann wegwerfen. Da ich Vogelhäuschen zwar süss, aber irgendwie doch oldschool fand, musste etwas anderes her. Wildbienenhäuschen, zugeben, meines ist sehr windschief geworden, meine Kinder lachen immer, denn die können mit den Maschinen weit besser umgehen, als ich. Aber es sind immer zwei absolute Highlightstunden, wenn wir an der Kreissäge (ja, sowas dürfen meine Kinder benutzen, es sind Teenager, keine Idioten, und wenn man sie richtig einweist, dann passiert da genau so viel, wie bei mir) stehen, Bandschleifer und Hobel benutzen. Meine Schüler lieben das. Über alles. Ich auch. Ich habe Bilder gemacht, wo ich die Häuschen aufhängen werde, einige Schüler werden mir helfen kommen. So macht das Spass. Ich bin also nicht nur eine junge Bloggerin, die grosse Klappe hat. Nein. Ich habe es geschafft eine halbe Schule so gierig darauf zu machen, dass sie wissen wollen, wie Jagd funktioniert. 

Den Vogel habe ich allerdings vor den Osterferien abgeschossen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Es gab bei uns im Revier zwei Wildunfälle, ein Reh und ein Fuchs, die ich mit meinem jungen Lenzen abfangen musste. Das Reh war nicht einmal mehr für Hundefutter zu brauchen. Aber einfach verwerfen wollte ich es auch nicht. Da ich gerade Muskel, Skelett und Gelenke mit meinen Kids durchnehme, wuchs ein riskanter Plan in meinem Kopf. Warum nicht ein echtes Tier mit in die Schule nehmen? Klar, der ganze Plan war mehr als gewagt. Das hätte so nach hinten losgehen können, aber alle meine Kinder sind immer wahnwitzig gespannt, am liebsten würden sie die Stücke, die ich erlegt habe, sehen. Warum also nicht? Was sollte schiefgehen, wenn ich ein zweites Zimmer hätte, wo die, die es nicht sehen wollen, hinkönnen? Gesagt, getan. Schulleitung informiert, meine Kollegin informiert, die sofort begeistert war: "Dürfen meine Kinder auch zuschauen?"  Klar doch. Immer.

Meine Schüler konnten den Freitag kaum erwarten, denn natürlich habe ich ihnen vorher erzählt, was passiert ist. ("Boah, Frau Junker, war das nicht schlimm, als sie das Tier da so haben liegen sehen?" "Doch, das war das allerschlimmste, und ich habe auch geweint." Merke, sei immer ehrlich zu Teenagern, die merken, wenn man sie anlügt.) Am Freitag stand ich wie im Anatomiepraktikum in der Uni vor meinen Schülern, in Schürze, alle Kinder ausgestattet mit Schürzen, Mikroskopen, Handschuhen und Mundschutz (kein Risiko...), das Haupt des Rehs hatte ich abgedeckt, aufgebrochen war es auch. Ich habe es vor meinen Kids aus der Decke geschlagen, jedes Körperteil gezeigt und ihnen erklärt, welche Teile welches Stück Fleisch ergeben. Wir konnten eine Hirschlausfliege genauer beobachten... Nur ein Mädchen verliess für 5 Minuten den Raum. Nach 45 Minuten hatte ich den Kids versprochen, dass sie wählen dürften, ob sie weiter machen wollten, oder ob wir ein Abschlussspiel spielen. Sofort war klar: weitermachen!!!! Ok. 5 Minuten Pause, nach 3 Minuten standen 4 weitere Kollegen in der Klasse, ob sie denn auch zuschauen dürften, ihre Klasse würde so quengeln. Am Ende standen 6 Klassen, die gesamte Schulleitung und ich ausgestattet mit Mikro in unserem Naturlehreraum. Ich habe über Rehe und Wildtiere erzählt, wo das Fleisch herkommen und so weiter und so fort. Meine Bücher, die ich zum Thema Jagd und jagen mitgenommen hatte, waren sofort ausgeliehen und ich musste bereits einigen Kollegen versprechen, dass sie einmal mit mir jagen kommen dürfen. Lehrer, das sind die, die normalerweise grün wählen.

Die Schulleitung war so begeistert, dass ich sofort gefragt wurde, wann ich denn endlich mal mit Organen kommen könnte, denn das würden sie auch gern mal sehen. Die Schulleitung!!! Das sind die, die mir sonst die Zündung einstellen, wenn ich wieder mal "thinking out of the box" zeige.

Die Aktion war mehr als gewagt, ich habe viel Risiko auf mich genommen. Aber am Ende war das eine geniale Sache.

Man muss also nicht 10 Jagdjahre auf dem Buckel haben, um die Klappe aufreissen zu können und Werbung zu machen. Solange man selbst für die Sache brennt, kann man im richtigen Beruf sehr viel tolle Werbung machen, auch wenn man den Schein noch gar nicht so lang hat (was bei mir auch nur der halben Wahrheit entspricht, denn ich habe, ausgestellt von der UJB Bielefeld, seit 1988 einen Kinderjagdschein, vermutlich den ersten, der in der BRD ausgestellt wurde).


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