Lotte

Lotte ist unsere Beagledame, eine Bracke wie sie im Buche steht. Lotte ist manipulativ, gerissen und unfassbar niedlich. Schon als Welpe war sie der Meinung, dass die ganze Welt einzig zu ihrem alleinigen Amüsement zu dienen habe...

und so ist es bis heute geblieben! 

Ich kenne keinen wesensfesteren Hund, als sie.

Nichts kann diesen Zwerg ernsthaft erschüttern, mangelnde Körpergrösse - sie läuft gerade am Rand des Standard-Masses, aber am unteren Ende - macht sie wett mit einem Ego, von dem sich ein Cane Corso noch etwas abschneiden könnte.

Als ich Lotti bekam, war ihre Jagdkarriere noch nicht vorherzusehen. Eigentlich wollte ich bloss einen Begleithund mit Jagdeinschlag haben.

Lottes Plan war grösser...

Think big, be small, ihr Lebensmotto!

Nachdem sie innert drei Minuten nach ihrer Ankunft bereits die drei Spielzeuge zerlegt hatte, die mein Labbi 12 Jahre umhergetragen hatte, war mir klar, dass nun ein anderer Wind, pardon, Sturm im Hause wirbeln würde. Bis auf ihre Grösse übertrifft dieser Beagle nämlich alle Superlative, die ich bisher kannte.

Und sie ist verfressener, als jeder Hund, den ich bis anhin kannte!

Meine Tierärztin wollte mir nicht glauben, dass sich 12 Kilo Hund problemlos 5 Kilo Futter reinziehen können....und dann gab sie ihr die Spritze, um den Magen zu leeren.

Grosses Putzkino!!

Lotte hat es perfektioniert leise hinter Menschen herzuschleichen, von denen sie denkt, dass sie an Orte gehen, wo sie Futter abstauben kann. Einmal war die gesamte Familie in heller Aufruhr, weil Lotti unauffindbar war, bis wir einen leisen Heuler aus dem Keller hörten.

Lotti war wohl meiner Mama hinterhergeschlichen und hatte sich in den Keller einschliessen lassen (sie ist der einzige Hund, der sich überhaupt in den Keller traut). Dort hat sie mit ihrer beageligen Zielstrebigkeit einen völlig verschlossenen Hundefuttersack aufgemacht - was allein schon eine Glanzleistung ist, Menschen brauchen dafür nämlich eine Schere - und sich satt gefressen. Erst als ihr Magen etwas gegen die ungewohnte Menge rebellierte, liess sich die Dame aus dem Keller befreien.

Charlöttchen - Lotte wurde im Laufe ihres Lebens irgendwann einfach zu ordinär für diesen besonderen Hund - spannt für ihre Zwecke besonders gern meine nicht so schlaue Drahthaarhündin ein. Wobei "nicht so schlau" nur eine freundliche Phrase für dumm ist, Freya ist jagdlich zwar eine Granate, sonst ist sie eher das „Hä?“. Lotte hat nämlich gemerkt, dass Freya gern Türen öffnet und an Dinge kommt, wo sie keine Chance hätte. Und sei es das Schlafzimmer, wo man beim Heimkommen eine warme, leicht haarige Kuhle auf dem Bett findet und die Hunde scheinbar verschlafen auf ihrem Bett liegen. Jaja....

Lotti hat ausserdem eine Art Prinzessinnenstatus, den sie sich hart erarbeitet hat.

Ihr ganzes Gesicht spricht, manchmal auch ihr gesamter Körper. Bringt sie beim Tierarzt nur 12.5 Kilo auf die Waage, dann könnte ich darauf schwören, dass sie irgendwo Ballastsäcke von je einer Tonne versteckt hat, die sie auswirft, wenn sie abends noch für ein Stündchen oder so unter unserer Bettdecke kuscheln darf. Wehe, man möchte sie von diesem, ihrem absoluten Lieblingsplatz entfernen. Sie stellt sich tot („Ich kann gar nicht mehr aufstehen!“) und taub, sehr überzeugend übrigens. Die Monroe in Hundeperson.

Ausserdem darf Lotti Wünsche äussern, joggen? Heute nicht?

Natürlich, Prinzessin.

Sie hasst es nämlich, dieses ordinäre Herumgerenne ohne Ziel und einzig dem Zweck dienend, dass Frauchen sich bewegt.

Am liebsten verschliefe Lotte die Zeit zwischen Februar und Oktober vollständig. In ihren Augen passiert da nichts, was einem jagdlich geführten Beagle das Aufwachen wert sein könnte. Abgesehen von einigen gemeinsamen Ansitzen, die sie sehr liebt.

Beagles sind Charakterhunde, Lotti ist nicht im herkömmlichen Sinne stur - im Gegenteil eigentlich - sie arbeitet gern, erarbeitet sich gern Dinge, wenn sie den Eindruck hat, dass sie lohnenswert sind. Angeleint ist sie nie, oder fast nie, sie würde nie ohne Befehl jagen gehen.

Naja, nicht mehr, seit sie das erste Lebensjahr vollendet hat, da stand ich durchaus mal alleine fluchend im Wald. „Ihr Hund hat sich sicher schwer verletzt, ich hab ihn dort hinten laut jaulen gehört!“ Jaja ...Wenn sie allerdings jagt, dann tut sie ihren Job gründlich. Ich habe noch nie bei einem Hund einen so sicheren Fährtenlaut gesehen, ist sie drauf, hört man das schaurig schöne Geläut, was sich von allen anderen Hunden deutlich abhebt. Verliert sie die Fährte ist sie sofort leise. Ausserdem ist sie sehr zielstrebig, sie verfolgt nur lohnenswerte Fährten, mehr als 10-12 Minuten sind ihre Fährten nie alt, die sie ausarbeitet.

Sie wird niemals ein Terrier werden, der mit viel mehr Vehemenz ein Stück Wild angeht, Lotti verbellt mit Abstand, mir soll es Recht sein. Ihr Hofstaat folgt ihr nach und wird das für sie tun, wo sie eben ein Beagle ist und bleibt. Sauen aus der Dickung hauen ist nicht ihr Business.

Manch einer sagt nun „Weichei“, ja, ist sie sicher bis zu einem gewissen Grad, aber da wir nicht nur auf Sauen jagen, bin ich so zufrieden, wie sie ist. Sie muss keine Sauen halten, dafür haben wir Vorstehhunde.

Lötti ist für mich ein perfekter „Einsteigerjagdhund“ gewesen, vorher hatten wir immer nur Labbis zu Hause, mit denen meine Eltern gejagt haben, die kann man aber nur schwer vergleichen.

Viel mehr aber noch ist sie eine ideale Alltagsbegleiterin, ihr ruhiges, selbstsicheres Wesen lässt sie selten bis auf die Grundfesten erschüttern. Sie verlässt sich mit einer Nonchalance auf das Schicksal - es wird schon alles seine Richtigkeit haben.

Auf viele weitere gemeinsame Jahre, mein Flo <3